Seid ihr ausgehungert? Lechzt insgeheim danach, eure Zähne in pralle Früchte und süßen Saft zu schlagen? Dürstet nach klaren Quellen für eure staubtrocknen Kehlen, kaum noch des Lachens fähig? Beißt zu, Schwestern! Setzt euch, Brüder! Esst, trinkt, fresst, sauft. Der Tisch ist reichlich gedeckt!

Rezept für ein ausschweifendes Leben

Tauche gänzlich in den Genuss,
lecke genüsslich das Marmeladenmesser des Lebens ab.

Leere den Kelch der unlöschbaren Tränen,
atme die Fülle der Trauer.

Schneide eine fette Scheibe Lachen vom Leben,
vertilge sie gründlich. Bis auf den letzten Krümel.

Nimm einen großen Schluck aus dem Kessel der Schöpfung,
schmecke tief hinein und hinab, koste aus.

Löse einen großen Klumpen Herzblut aus deinen Eingeweiden,
schneide tief, schmerze gut, gib viel.

Fülle deine Seele mit Licht,
damit du die Dunkelheit sehen kannst.

Nimm viel. Gib viel. Fühle groß.
Wälze dich darin.

Klaube die Krumen aus deinen Haaren und Kleidern.
Lege genug in die Waagschalen.

Blicke stets offen voran.

Shermin Arif 16.09.2009

Lebensschätze

Begehre und trinke stets bis zur Neige,
sonst siehst du nicht den Grund der Dinge.

Verliere dich und löse dich in deiner Sehnsucht auf,
sonst findest du nicht die Wurzel die dich treibt.

Schmecke alles leer, dessen du habhaft wirst,
sonst lernst du die Viefalt nicht schätzen.

Schöpfe aus dem Alten und Neuen,
sonst bist du am Ende leer und hinterlässt ein Nichts.

Shermin Arif 16.10.2009

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Juli 16th, 2010 Kunst! | No Comments
 
 

Wie meine zahllosen Leser in den letzten Wochen bestimmt schon gemerkt haben, glänzt auch dieses Blog (genau wie mein Foodblog) seit einigen Wochen durch Flattr-Buttons. Seit Anfang Juni bin ich dabei und wurde schon unfassbare zweimal wahnsinnig wild geflattrt. Eingenommen habe ich damit erstaunliche 1,77 €. Ja, ja, ich weiß. Ich darf jetzt nicht sofort größenwahnsinnig werden und alles auf einmal auf den Kopf hauen. ;-)

Was ist Flattr? Und wie funktioniert das denn bitte?!

Wer jetzt hier vor diesem Blogeintrag steht, sich ein wenig ratlos am Kopf kratzt und sich fragt warum die komische wirre Frau da dauernd was von flatternden Dingen schreibt, dem möchte ich meinen brandneu veröffentlichen Artikel “Was ist Flattr? Und wie funktioniert Micopayment?” an das interessierte Leserherzchen legen.

Mit Flattr wirklich Geld verdienen? Kann man damit wirklich Kohle machen?

Meine persönliche Erfahrung zeigt: ja, man kann mit Flattr durchaus Geld verdienen. Dazu habe ich – weil ich als freie Journalistin auch irgendwie monetären Dingen zwecks Lebenshaltungskosten und Luxusartikeln nachhänge – auch noch einen Artikel zum Thema “Flattr – Internet-Revolution per Micropayment?” bei Suite101.de eingestellt.  Aber (war ja klar, dass das kommt, oder?), damit Flattr – oder andere Micropayment-Dienste wie zum Beispiel Kachingle – in Zukunft wirklich Geld einbringen braucht man:

a) Echt guten Content auf seiner Seite oder seinem Blog. Also gute freie Software, Bilder oder zum Beispiel geile Texte (Hier! Ab und an jedenfalls. Wirklich!), die den Lesern einen echten Mehrwert bieten. Ich habe ja die Hoffnung, dass irgendwann nicht nur meinungsbildende und fachlich interessante Artikel dazu gehören, sondern man so auch Literatur im Netz finanzieren kann. Stichwort: Kulturflatrate per Social Payment Service. Warum nicht berührende Prosa oder Lyrik, die das Herz mit einem flammenden Pfeil aus Worten trifft, flattrn? Sozusagen direktes Kultursponsoring vom Fan – nein Leute, stoßt jetzt bitte keine Diskussion darüber an, ob Kunst gefällig sein sollte oder nicht.

b) Man benötigt eine sehr viel größere Masse an Usern, die Dinge “belohnen” wollen. Mal ganz ehrlich: Derzeit sind doch größtenteils technikbegeisterte Nerds und die so called “Internet-Elite” bei Flattr unterwegs. Das zeigt sich auch an den meist geflattrten und eingestellten Inhalten. Erst wenn wirklich eine breite durchschnittliche Bevölkerungsschicht (Ich weigere mich an dieser Stelle  allerdings vehement vom Bildzeitungs-Leser zu sprechen, deren durchschnittlicher Intellekt mich immer wieder …erstaunt… ) auch hier vertreten ist und es als vollkommen normal ansieht freiwillig für freie Inhalte zu zahlen, ist das System wirklich erfolgreich. Aber da muss es erstmal hinkommen – ohne im Vorfeld totgeredet zu werden.

c) Man braucht viele Leser. Kleine und relativ unbekannte Laber-Blogs – wie zum Beispiel die Berlin Kolumne ;-) – dürfen zwar davon träumen mit Flattr den großen Reibach zu machen, das wars dann aber auch schon. So lange man aber nicht täglich hunderte bis tausende von Lesern hat, die alle brav bei einem Micropayment-Dienst wie Flattr oder Kachingle angemeldet sind und gerne auf bunte Bildchen klicken, wird es echt schwierig.

Micropayment/Flattr-Fazit

Ja, das waren jetzt gleich drei Dinge auf einmal… Flattr ist also eine (!) mögliche, mir recht sympathische Zukunftsperspektive. Vor Kritik und Gefahren bei Flattr sollte man dennoch nicht die Augen verschließen, in meinem zuletzt verlinkten Artikel spreche ich diese auch an. Wer sich noch ein wenig elitäres Rumgenörgel mit dem Touch von “Bäh. Ich bin was besonderes. Ich stelle mich gegen den Mainstream! Ha!” geben möchte, für den hat der im Internet allgegenwärtige Sascha Lobo noch einige interessante Kritikpunkte zu Flattr zusammengestellt und macht klar, warum er keinesfalls diesen Mikrobezahldienst nutzen wird. Werbebanner sind ja auch viel toller (Und Werbung wird im Endeffekt ja auch gar nicht auf die Kunden umgelegt. Nein, nein.). Das Lesen der Kommentare lohnt sich in diesem Fall durchaus.

Nachtrag: Ganz vergessen – ich habe noch drei Flattr-Invites zu vergeben. Bei Interesse einfach melden.

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Juli 10th, 2010 Netzwelt | No Comments
 
 

Für alle bibliophilen Freaks, Bücherwürmer, Analog-Nerds, Büchoholics und Lettern-Besessenen gibt es jetzt bei nantik im Crazy Culture Clap die ultimative Buchumfrage. Los, schwingt eure übermüdeten und feierabendwilligen Hintern in ihr Blog und lasst uns an euren literaturtechnischen Auswahlkriterien und Vorlieben teilhaben. Im Gegenzug dürft ihr dann auch mitdiskutieren, bekommt von mir ein virtuelles Fleißbienchen und könnt euch wahnsinnig progressiv und gebildet fühlen. ;-)

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Juni 22nd, 2010 Daily Gossip | No Comments
 
 

Am 04.06.2010 gegen 17.30 Uhr ist mein Großvater Fouad Arif in einem Krankenhaus in Sulaymania, Kurdistan (Irak) verstorben.  Soweit ich weiß, war er knapp 98 Jahre alt, 1912 geboren – noch im Osmanischen Reich. Seine Frau und viele seiner Kinder sind schon lange vor ihm gegangen. Ein langes Leben. Erfüllt? Ich hoffe es.

Vorausgegangen waren in den letzten zwei Wochen hektische Meldungen. Mit Mühe hat mein Vater innerhalb von zwei Tagen einen Flug nach Kurdistan bekommen und kam rechtzeitig, um sich zu verabschieden.

Habe ich das Recht zu trauern? Ja. Denn obwohl ich ihn nur wenige Male sah, war er doch der einzige Opa, den ich kannte. Er nahm Anteil an meinem Leben, gab Geschenke für mich mit, versuchte auf unbeholfene steife Altmänner-Art einer vergessenen Generation mit mir ein paar Brocken auf Englisch zu reden, während ich meist etwas verlegen, von meinem Vater ans Telefon gezwungen, zurück stammelte. Yes, yes I’m fine. Everything is OK.

Als ich heiratete, überraschte er mit einem großzügigen Geschenk. Für mich vollkommen unerwartet. Seine Art mir zu zeigen, dass er mich liebt. Mir das Gleiche mit auf den Weg geben will, wie den anderen Enkeln.

Aus den Geschichten weiß ich, er war geliebt aber er war wohl ein harter und strenger Mann, der Patriarch der Familie. Doch als wir 1986 über Baghdad aus der DDR flohen, krabbelte ich morgens in sein Bett und kuschelte mich einfach an meinen Opa. Kleine süße Enkelinnen mit großen Augen und dunklen Locken nehmen sich manchmal selbstverständlicher ihr Recht auf Liebe, als die eigenen Kinder das konnten.

Und ich nahm Anteil. Wenn ich als Kind abends im Bett lag und spät das Telefon noch klingelte, hieß das: Nachrichten aus dem Irak. Dem fernen Land. Lauschen mit Herzklopfen. Gieren nach Informationen, die durch die brüchigen Leitungen herübertropften. Meist keine guten. Zittern, wenn es hieß, dass er von Saddam Hussein zu einem Gespräch bestellt war und es gewagt hatte, sich zu widersetzen. Lauschend, wenn mein Vater mir Geschichten von damals erzählte, von dem großen Haushalt, der geführt wurde. Von den polierten Armeestiefeln. Dem Pferd, dass er ritt. Von dem König. Von der ersten Begegnung mit meiner Großmutter (von der ich, wie ich fürchte, eine große Portion Wesen geerbt habe). Oder von den Erziehungsmethoden für die Söhne.

Als Tochter bin ich nicht im Stammbaum der Familie eingetragen, der im Haus meines Großvaters hängt. Unser Zweig erlischt sozusagen offiziell, weil mein Vater keinen Sohn hat. Trotzdem bin ich wichtig. Und stolz auf meinen Namen, den ich nicht hergeben mochte. Bei unserer Heirat war mein Mann, der seinen Vater nicht kennt, so fortschrittlich und einfühlsam, meinen Namen als unseren gemeinsamen anzunehmen und ist so noch mehr Teil geworden von mir.

Warum ich über so etwas Persönliches schreibe? Ich will kein Mitleid. Ich will nicht bedauert werden. Wofür auch? Dafür, dass ich zufällig mit jemanden verwandt war, dessen Zeit zu Ende gegangen ist? Ich will mich nur ausdrücken. Mir vom Leib schreiben. Ich hatte keine Chance offiziell Abschied zu nehmen und keine Chance zu trauern. Ich bin nicht bei der großen Familie, die zusammen kommt und ihn auf die letzte Reise schickt. Ich konnte nur hier in Berlin sitzen, mit wachsender Verzweiflung versuchen anzurufen (ohne wirklich durchzukommen) und auf irgendwelche Meldungen warten.
Am Sonntag war die Beerdigung – der Livestream des Fernsehsenders Kurdistan tv brachte mir dann zumindest Bilder davon. Menschenauflauf. Männer in Trauer. Ein kurzer Blick auf meinen Vater. Einen Cousin. Blumen. Noch mehr Männer, die in meiner Sprache, die ich nicht sprechen kann, über sein wichtiges Leben reden. Bizarr. Traurig. Einsam.

Ja. Ich habe das Recht zu trauern. Und er hat ebenso ein verdammtes Anrecht darauf, dass ich um ihn weine.

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Juni 7th, 2010 Allgemein | 2 Comments
 
 

Da dachte ich schon, dass das Objekt meiner fassungslosen Entsetzenszustände endlich weg vom Fenster ist – gedanklich hatte ich ja schon ein Freundenfest gefeiert und war fast bereit, geläutert in ein keusches Kloster einzutreten, um dort einen ruhigen Lebensabend zu verbringen – aber da hab ich den guten Aaaaaron natürlich total unterschätzt. Als wahrer Aalron hat man immer noch ein Eisen mehr im Feuerchen, mit dem man die Leute in den Wahnsinn treiben und etwas piesacken kann. ;-)

Aaron und die junge Freiheit

Aber gut, nach seinem totaaal überraschenden, superspontanen, gar nicht im Voraus geplanten oder nach Fluchtgedanken vor dem Bundesparteitag und seinem Rechenschaftsbericht klingenden Austritt aus der Piratenpartei, wo er sich hunderten selbstdenkenden und sehr scharfzüngigen Piraten live hätte stellen müssen, hat der kleine Aalron wahrscheinlich viel freie Zeit und braucht ein neues Spielzeug. In diesem Falle gründet er seine eigene Partei, so muss er nicht mehr mit Piraten-Schmuddelkindern spielen. Die sind ja eh doof, ziehen immer an den Haaren und stellen lauter gemeine und hinterhältige Fragen zu den klugen Sachen, die der Aaron immer ohne großartige Gehirnleistung von sich gibt. Der Anlass zur Gründung der Partei “Die Freiheit”? Um mal den dazugehörigen Blogeintrag zu zitieren  ” [...] wann, wenn nicht jetzt?” soll man so eine dolle Partei denn sonst gründen? Tja. Frag ich mich auch.

Der Schutz Deutschlands vor den Ausländern

Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt wirklich mit nem Lachkrampf zu Boden sinken. Das ist zumindest die Empfehlung vom Politblogger, der  sehr treffsicher seine Finger auf die fragwürdigen Inhalte der Partei legt. Dank ihm blieb mein Auge nach dem ersten Amüsement an dem Pamphlet den wohlfeilen Aussagen zur Optimierung der Einwanderungspolitik hängen. Geil. Wirklich. Man will ja nicht alle Fremdlinge draußen halten. Nur die Unschönen. Die, die nicht so denken wie Aaron und seine Kumpels. Oder die, die kein perfektes Hochdeutsch sprechen. Dann noch die, die keine hohe Schulbildung haben. Und die Ausländer, die hier geboren, in diesem Land sozialisiert wurden, Deutschland als ihre Heimat empfinden – also DIE, die erst recht nicht. Klingt auch kein bissel nach angebräunelter “Ausländer raus!” Scheiße.

Mein Gott, da kann ich ja richtig dankbar sein, dass meine Mutter eine Deutsche ist und damit die bösen ausländischen Vatergene aussticht. Doch halt – mein Vater spricht zwar deutsch, aber nicht perfekt und ob er mit Aarons philosophischen Ansichten einverstanden wäre? Allerdings ist er Dipl. Bauingenier – Uff, das hochqualifizierte Studium reißt es dann hoffentlich in des Aarons göttlich-blaublitzend-arischen Augen wieder raus.  Und war man damals nicht sogar der Meinung, dass die Kurden als indogermanisches Volk nicht ganz so unwert sind…? Da fällt mir ein, dass meine Mom zum Teil schlesische Wurzeln hat. Ist wahrscheinlich auch schlecht. Obwohl… deutsches Großreich und so… Na dann.

Denn Deutschland muss halt geschützt werden, ne? Ja wo kämen wir denn da hin, wenn wir politisch Verfolgten mit niedriger Schulbildung, bloß weil sie vielleicht ein bissel gefoltert oder vergewaltigt werden eine Zuflucht gewähren? Was zu einer längeren Diskussion führen könnte, wie man Deutschland – diesen uralte Schmelztigel unterschiedlichster Kulturen, der stetig daran wächst neuen Input in sich aufzunehmen -  nun eigentlich genau definiert.

So, ich geh dann mal ausgiebig kotzen. Und hoffe, dass Aaron in seinem Sandkasten mit seinen gleichgesinnten Parteifreunden glücklich wird und nie wieder einen Fuß in die Partei setzt, die für mich gleichbedeutend mit Wahrung meiner Bürgerrechte, freier Entfaltung, angemessenen politischen Zielen und der Benutzung der eigenen Gehirnleistung ist.

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Mai 28th, 2010 Menschen, Monster - Mumien - Mutationen, Netzwelt, Politisch | 1 Comment
 
 

Bin gerade fast bereit für einen Erweckungsgottesdienst. Fühle mich geradezu himmlisch erleichert erleuchtet und stehe kurz davor Konfetti zu werfen. Aaron Stefan Koenig, die Piraten-Nemesis mit der unglaublichsten Begabung geistige Diarrhoe in den medialen Äther  zu blasen und möglichst breit zu zerlatschen, ist heute Abend freiwillig bei den Piraten ausgetreten. Hierzu ein kurzes Zitat von seiner Seite. Ich konzentriere mich hier auf das Wesentliche, das relativ uninteressante Blabla habe ich mal weggeschnitten, bevor wieder irgendwelche Blogbeiträge zufällig editiert werden… :

“Daher bin ich heute aus der Piratenpartei ausgetreten.”

Halleluja. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Ich muss jetzt erstmal aus Dankbarkeit ein Meerschweinchen opfern gehen oder sowas.

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Mai 10th, 2010 Berlin speziell, Daily Gossip, Monster - Mumien - Mutationen, Politisch | 1 Comment
 
 

Hebammen? Warum sollte man sich denn bitte darüber Gedanken machen? Ich persönlich habe mich – dank mangelnder Kinder – damit jedenfalls noch nicht weiter beschäftigt. Derzeit bin ich aber dazu gezwungen. Denn klar: Kinder möchte ich auch irgendwann haben. Und gedanklich-diffus bin ich zumindest immer irgendwie davon ausgegangen, dass ich dann vielleicht von einer Hebamme begleitet werde.
Momentan sieht es nur so aus, dass ich in einigen Jahren dazu wohl keine Chance mehr haben werde, denn der Berufszweig der Hebamme wird wohl ab diesem Jahr – wegen exorbitant steigender Versicherungen – nicht mehr lange weiterleben.

Was macht eine Hebamme eigentlich?

Hebammen – die Bezeichnung bedeutet laut Tante Wiki: althochdeutsch Hev(i)anna: „Ahnin/Großmutter, die das Neugeborene aufhebt/hält“. Eine, wie ich finde, wunderschöne Bezeichnung, die auch Sinnbild der Arbeit ist, die Hebammen leisten.  Der Berufsstand der Hebamme ist uralt und begleitet unsere Zivilisation schon immer – oder was denkt ihr, wie die Generationen vor uns das Licht der Welt erblickt haben? Sterile Operationssäle und gottgleiche  Weißkittel gab es vor ein paar Jahrhunderten noch nicht.

Hebammen begleiten die Schwangerschaft, die Geburt, betreuen die Wöchnerinnen und stehen auch beratend nach der Geburt zu Seite. Bei so einer wichtigen Lebensveränderung und Umstellung eine gewichtige Aufgabe. Viele Frauen (und bestimmt auch Männer) müssen erst lernen mit einer Schwangerschaft, bzw. einem Baby umzugehen, sich darauf einzustellen. Viele Sorgen, Fragen und Ängste tauchen auf – die Hebamme steht in der Regel (auch medizinisch!)  zur Seite, leistet Schwangerschaftsvorsorge, gibt Rat, sieht die Veränderungen und führt die Geburt durch.

Hebammen: E-Petition im Bundestag

Die Frage ist nur: wie lange noch? Wenn sich in naher  Zukunft nichts ändert, werden viele Frauen (und auch Männer) den Beruf der Hebamme aufgeben müssen. Soweit ich weiß, werden auch etliche Geburtshäuser dazu gezwungen sein, zu schließen. Hierzu ein kurzer Ausschnitt von der Seite der Initiative “Hebammen für Deutschland”, die eine Petition zur Soforthilfe im Bundestag eingereicht hat. Seit zwei Tagen kann man hier online mitzeichnen -  also meldet euch an (wenn ihr das nicht eh schon seid) und werft eure politische Stimme in die Waagschale. Greift euch eure Familienmitglieder und Freunde und gebt eure Stimme ab – schließlich geht es um uns und darum wie wir unsere Kinder bekommen. So fern das für manche auch noch in der Zukunft sein mag – irgendwann wird es vielleicht aktuell und dann hat man keine Wahl mehr, weil der jahrtausendealte Berufsstand der Hebamme dank bürokratischer Exzesse ausgestorben ist. Tiefgreifendere Informationen zur Problematik  sind auf der Homepage der Aktion zu finden.:

“Durch erhöhte Beiträge zur Haftpflichtversicherung der Hebammen wird Frauen die Möglichkeit genommen den Geburtsort ihres Kindes frei zu wählen oder sich für individuelle Hebammenunterstützung während der Geburt zu entscheiden!

Geburtshaus-, Hausgeburtshebammen wie auch Hebammen und GynäkologInnen, die Belegbetten in Geburtskliniken haben, sie alle sind in ihrer beruflichen Existenz gefährdet und können unter diesen neuen Vorrausetzungen Geburtshilfe nicht weiter anbieten.

Die Politik muss dringend tätig werden! Es gibt kaum Versicherer, die noch bereit sind, für Geburtshilfe zu haften. Unsere Berufsgruppe ist mit 4.500 freiberuflichen Hebammen zu klein, um weiter die Haftpflichtabsicherung für ca. 160.000 Geburten zu leisten. Das entspricht einem Viertel der Gesamtgeburtenzahl Deutschlands. Daher brauchen wir Ihre Unterstützung.

Seit 5. Mai läuft die Zeichnungsphase der E-Petition des DHV an den Deutschen Bundestag. Sie wird online unterzeichnet:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11400


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Mai 7th, 2010 Gesetzgebung, Menschen, Politisch | No Comments
 
 

Interesse an ein wenig Horror-Enten-Teenie-Trash? ;-)
Spannend wo man seine Nichte wiederfindet… Ich lasse euch mal an dem Kunstwerk teilhaben. Ratet welche meine ist: Schakkeline oder Schantalle? *grinst*

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Mai 4th, 2010 Daily Gossip, Monster - Mumien - Mutationen | No Comments
 
 

Manchmal, manchmal da begegnen sich zwei Fremde, treffen für einen Augenblick aufeinander, bekennen ihre Geheimnisse, laden Schuld ab, verändern Leben und Ansichten, lösen sich plötzlich wieder, streben auseinander und berühren sich nie wieder.

Seit zwei Tagen verfolgt mich eine Begegnung im Wartezimmer. Eine Frau setzt sich neben mich, etwas älter als ich. Nett sieht sie aus, aber mein Magen zieht sich leicht zusammen. Mit irgendeiner Belanglosigkeit zieht sie mich in ein Gespräch, erwähnt ihre Schwangerschaft. Ich lege mein Buch beiseite. Dann, plötzlich, unerwartet, blickt sie mich an und erklärt mir, dass sie  gerade vom Frauenarzt kommt und hier ist um weitere Fragen abklären zu lassen. Ihr Baby ist seit sieben Wochen nicht gewachsen. “Das wird wohl nichts mehr.”, tropft von ihren Lippen. Sie blickt mich an. Blank. Die Worte purzeln zwischen uns zu Boden. Ich schlucke. Blicke ihr ins Gesicht. Sehe eine hauchdünne Schicht heiter-mechanischer Beherrschung, darunter einen dunklen Abgrund. Da sitzt eine Frau neben mir, mit einem toten Baby in ihrem Bauch und erzählt mir von ihren drei lebenden Kindern. Sie weiß es, aber begriffen hat sie es noch nicht. Ich verstehe, warum es aus ihr heraus bricht. Das es vielleicht leichter fällt, das Entsetzliche erstmal einer Wildfremden aufzubürden. Ich sehe, dass sie ein Stück Normalität braucht, die Fremde mit dem toten Kind in sich. Mein Lachen ist vielleicht ein wenig schrill, meine Stimme einen unbestimmten Hauch belegt, von den Tränen die mir hinter den Augen sitzen, aber ich wende mich ihr zu. Rede mit ihr. Schenke ihr etwas Zeit. Versuche einen Schmerz zu mildern, den man nicht erleichtern kann, der noch nicht mal angefangen hat zu brennen.  Bis ich gerufen werde und weg bin, die Wege wieder getrennt sind.

Nachts wälze ich mich durch mein Bett, traumschwer verfolgt von ungeborenen Kindern. Und im Morgengrauen frage ich mich, wieviele Millionen auf diesem Planeten heute einen ähnlichen Weg gegangen sind.

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April 28th, 2010 Alltag, Menschen | No Comments
 
 

Willkommen im 21. Jahrhundert. Falls ihr schon länger als nur fünf Minuten wach seid und schon mit irgendwelchen Medien konfrontiert wurdet, werden meine verehrten Leserinnen und Leser bestimmt mitbekommen haben, dass Polens Präsident Lech Kaczynski sich samt Gattin und 87-köpfiger Delegation mit seiner Tupolev im russischen Smolensk in den Boden gebohrt hat.

Unabhängig davon, was ich von der Politik des Kaczynskis halte, ist das tragisch. Der Tod keines Menschen ist schön, egal wie er im Leben war und was er verbrochen hat – sonst wäre ich ja eine fröhliche Befürworterin der Todesstrafe. Leben ist wertvoll, jemand hat diese Menschen geliebt, mit ihnen gelacht und sie werden sicherlich einen großen leeren Platz hinterlassen.

Medialer Umgang mit dem Tod des polnischen Präsidenten

Aber ich bin nicht für Trauerarbeit hier. Als ich eben – zugegebener Maßen noch halb im Tiefschlaf – auf der Suche nach Nachrichten durch die Kanäle zappte und bei N24 landete, traf mich der Anblick der auf Schleife laufenden Bilder irgendwie unvorbereitet. Nicht das es besonders entsetzlich wäre…  Bäume, Matsch und verbogenes Metall. Aber die Maschine ist um 8.50 Uhr MESZ verunglückt. Gerade mal zwei Stunden später werden mir hier in Europa Bilder von hektisch umherrennenden russischen Feuerwehrmännern und die Absturzstelle in Nahaufnahme gezeigt. Dort sieht man Rauch, da einige Fetzen in den Bäumen, irgendwelche Menschen stolpern umher, Feuerwehrmänner versuchen Flammen im auseinandergebrochenen Flugzeug zu löschen, Wrackteile sind zu sehen. Die Kamera zoomt näher an Einzelteile heran, irgendwas unangenehm rötliches ist zu sehen, nicht genau erkennbar was, aber das Gehirn spielte eine Sekunden lang einen entsetzlichen Streich und mir wird schlagartig in meiner Nachrichten- und Mediengeilheit bewusst: da liegen Menschen. Oder besser gesagt: Irgendwo in diesem immensen grauen Matschhaufen liegen jetzt menschliche Versatzstücke. Puzzelteile. Auch wenn das nicht erkennbar ist, die Leichenteile der Opfer werden die innerhalb von zwei Stunden wohl kaum da rausgefummelt haben. Ich habe – allen Göttern sei Dank – noch nicht so viele Flugzeugabstürze und deren Berichterstattung mitbekommen, aber sind diese Bilder normal? Mir dreht sich sanft der Magen um und aus meinem Mund blubbert es nur leise “Aber das können die doch nicht zeigen!” – Doch können sie. Wenn es blutet – halt drauf. Das bringt Quote. Das wollen die Zuschauer sehen. Und du gehörst dazu. Würg.

Gerahmt wird das ganze von heruntergeblubberten inhaltsleeren Nachrufen und dem Telefonbericht eines Reporters, der die tiefe Männerverbindung Lech Kaczynskis zu Guido Westerwelle beim Kaffeetrinken analysiert. Ja danke auch… Ich geh dann mal kotzen.

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April 10th, 2010 Allgemein | 7 Comments