Na, dann will ich mein kleines, verpenntes Blog mal aus dem Winterschlaf zerren. Immer über Aaron Stefan König Koenig herziehen ist zwar sehr lustig, aber auch nix wirklich neues.  Ist bestimmt auch besser für meinen Blutdruck, wenn ich dem Geschwalle dieses Herrn gerade mal keine Aufmerksamkeit schenke. Immerhin werde ich dieses Jahr unglaubliche 31 Jahre alt. Falls nichts dazwischen kommt. Außerdem taut es in Berlin. Endlich.  Zeit also jemand anderen mit meiner dezent erhobenen Augenbraue zu beglücken.

Japanische Philisophie trifft auf – äh… ja..

Wen? Bushido. Den deutschen Elite-Gangsta-Rappa vom Dienst. Der domestizierte Vorzeige-Wilde, der so gern von seinem Schwanz, Vergewaltigungen, Gangbangs, willigen Weibern und deren Fotzen faselt, kürzlich einen Film über sein Leben (gähn) herausgebracht hat und nun von der Presse zum tiefsinnigen und authentischen Gangsta-Hengst stilisiert wird (würg). Nebenbei glänzt er wohl auch noch durch ausgeprägte Homophobie und rassistische Äußerungen. Brav bei Maischberger sitzen durfte er auch schon.  Damit haben wir ja alle nötigen Felder abgedeckt. Yay.

Eigentlich geht mir der Typ ja an meinem venusgleichen Hintern total vorbei. Wenn ich anfange, sowas zu beachten, dann ende ich im Blutrausch. Nur ein wenig zuckt mein diszipliniertes Augenlid, wenn ich den Namen zu Gesicht bekomme.  “Bushidō” – der Geist oder Weg des Kriegers. Klar, hört sich ja auch verdammt cool an.  Weitaus besser als das süßliche “Anis Mohamed Youssef Ferchichi”, wo man eher gezwungen ist an kuschlige Monchichis zu denken. Und der neue Name passt  ja auch so wahnsinnig hübsch zur Familienidylle samt Grillwürsteli, die er angeblich in Lichterfelde kultiviert. Nur zur Erläuterung für die Unwissenden: “Bushidō” ist der philosophische Kodex der japanischen Samurai-Kaste und beinhaltet die verschiedenen Tugenden (u.a. zum Beispiel Bescheidenheit, Mitgefühl, Ehrgefühl, Reinheit, Etikette …), die ein Krieger erfüllen muss. Diese Philosophie durchzieht auch schon das “Hagakure”. Irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde “Bushidō” dann auch mal in Buchform niedergeschrieben. Achja, bedingungsloser Gehorsam gegenüber einem Oberherrn gehört ja auch zu diesem System. Interessant da mal nach Parallelen zu suchen… Übrigens, nur so als völlig zusammenhangsloser Hinweis: bei einem ehrlosen Verstoß gegen “Bushidō” legte man den Kriegern “Sepukku” – rituellen Selbstmord – nahe. Spannend, nicht?

Bushido, Alice Schwarzer und die Grillwürstchen…

Natürlich bin ich zu dem Thema total, voll und überhaupt zu spät dran. Schließlich spielten sich die eklatanten Szenen im Web ja schon um den Februar-Anfang herum ab. Da hat Herr Bushido nämlich in einem Interview zu seinem (auch Anfang Februar in den Kinos gestarteten, nein, wer hätte DAS nur gedacht?) Film ein wenig herumsinniert. Im Zusammenhang mit Alice Schwarzers Namen fielen Vokabeln wie “Titten [..] deiner Mutter” und “Fick dich ins Knie, du Fotze!”.  Hachja,  tiefenpsychologische Verbalerotik trifft auf geistige Diarrhö. Sehr hübsch. Und das Ganze hat auch bestimmt nix mit dem Film zu tun. *heftig nick* Bestimmt nicht. Ist alles nur Zufall. Jawohl.

Also, langes Geschreibsel, kurzer Sinn. Wem ich hier heute eigentlich Beachtung schenken wollte ist Alice Schwarzer. Die Gründerin und Chefredakteurin der Emma  ist – wie ich finde – eine wahnsinnnig spannende, aber durchaus auch ambivalent zu betrachtende Frau. Auf dem Blog ihrer Seite hat sie jedenfalls mit herrlich geschliffener Zunge auf Bushido und seine Grillwürstchen-Tendenzen Bezug genommen. Wobei ich ihm sein Würstchen natürlich gönne. Jeder sollte eines haben. Ich habe mich beim Lesen  herrlich amüsiert und wollte euch das nicht vorenthalten.
Der SPON nörgelt dazu ein wenig halbgar herum, dass sie ja sagen würde, dass sie dem Gangsta-Dingens-Typen ja keine weitere Publicity schenken wollen würde, es mit ihrer Antwort aber dennoch tue. Wäh.. der da hat aber mehr Pudding auf dem Teller.. und ..äh.. hm.. naja.  Zum einen ist es schwierig, zu sowas seine Klappe zu halten, zum anderen: in ihrem Blogeintrag hat Alice Schwarzer in keinster Weise zu ihm oder dem Interview verlinkt, auch anderweitig ist mir in der Medienlandschaft jetzt noch nichts von ihr hierzu ins Auge gefallen. Und ich persönlich fühle mich jetzt auch nicht sonderlich dem Herren in die Arme getrieben. So what? Ein klein wenig  Chapeau und ein breites Grinsen hiermit an Alice Schwarzer. Die kriegt von mir ein Fleißbienchen eingeklebt, der Anis nicht.

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Tags: alice schwarzer, bushido, Bushidōm hagakure, der weg des kriegers, ehre, ehrenkodex, emma, feminismus, film, samurai

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