Ich sitze ja des öfteren mal leicht entgeistert vor dem Fernseher ob der Dinge, die sich darin abspielen… Und ich bin die Letzte, die Weibchen-Skills verabscheut und auf einem Bürstenhaarschnitt besteht.
Ja, ich mag schöne Schuhe, ja ich mag Make-up, ja ich gehe für mein Leben gerne Shoppen und ja ich hab nen ungesunden Hang zu Edelkitsch. Ich mag es, wenn Männer mir Komplimente machen. Und ich finde Push-up-BHs sind ne tolle Erfindung.  Seht ihr? Ich kann das schreiben, ohne mir nen Zacken aus der feministischen Krone zu brechen.

Aber: ich kann meinen Rechner selbst bedienen, irgendwelchen Kram darauf installieren, ich bediene vier unterschiedliche CMS und kriege dabei keinen peinlichen hysterischen Anfall à la “Huch.. ich bin ja nur ein kleines Weibchen, wo ist der Mann, der für mich den Technikkram macht?”. Ich finde sowas spannend, bin angemessen entsetzt, wenn jemand (meiner Meinung nach) hinlänglich bekannte technische Begriffe nicht kennt,  ich habe meinen eigenen Hammer, bin der Meinung, dass das “schwache Geschlecht” meist eher männlich ist, baue gerne Regale zusammen und finde “root” sexy.

Dennoch kräuseln sich mir die hübsch sommerlich lackierten Fußnägel, wenn ich derzeit die Werbung von Škoda für ihre Familienkutschen sehe.  Mit dem tollen Webeslogan “Jede Familie ist anders. Und doch gleich.” werden einem hier verschiedene blähende Babys samt Familien in verschiedenen Škoda-Autos präsentiert. Die Geruchsbelästigung durch volle Windeln ist hierbei eher uninteressant.

Spannend ist nur das Sujet: Der Mann am Steuer, die Frau brav auf dem Beifahrersitz. Das Kind furzt. Die Frau (natürlich zuständig für die Säuberung des Sprosses) wühlt sofort hektisch nach der Windeltasche, während der Mann weiterhin würgend am Steuer sitzt. Ha. Ha. Lustig.

Leider bleibt einem bei den wirklich wunderhübsch festgetretenen Rollenbildern (die mich persönlich doch eher an die 50ties  gemahnen, fehlt nur noch, dass sie ihm perfekt frisiert die Hauspuschen zurecht rückt, “Papa” nennt und einen trockenen Martini serviert) das Lachen eher im Hals stecken. Ich finde diese Werbung auch nicht süß oder niedlich, sondern erschreckend.  Mir persönlich wird schlecht, wenn ich die Selbstverständlichkeit wahrnehme, mit der diese uralt-verstaubten Rollenschemata in Richtung deutsche Kleinfamlie propagiert werden. Als Škodas Zugeständnis an die sich verändernde Weltordnung könnte höchstens mit viel, sehr viel Augenzudrücken, der einzelne Vater am Ende gesehen werden, der in einem cholerischen Anfall die hintere Klappe des Autos zu schmeißt.
Ich hoffe doch sehr, dass der Rest Deutschlands nicht wirklich “Und doch gleich” ist.

Ich bin in diesem Fall jedenfalls nicht Deutschland. Bei uns habe ich den Führerschein und mein Mann wird schon bleich, wenn er ne Runde mit dem Fahrrad drehen soll. Vermehrt haben wir uns zwar noch nicht, aber ich weiß todsicher, dass er seinen angemessenen Anteil an vollgekackten Windeln übernimmt, sollte es jemals so weit sein.

Pünktlich zur FIFA Frauen-WM:  Waschmaschinen, Backöfen und Tiefkühlschränke

Und die Werbung ist nicht nur bei Autos so wahnsinnig erfindungsreich. Die PR-Firma  des Technikverscherbelers “Expert” stößt in ein ähnliches Horn. Die haben nämlich seit neuestem die Fußballerinnen Célia Okoyino de Mbabi, Fatmire Bajramaj, Kim Kulig und Simone Laudehr unter Vertrag und werben mit dem unglaublich fantasiereichen Slogan (aufgepasst, Atem anhalten:) “Die schönste WM aller Zeiten!” (Tätä, tätä, tätä!). Meine Güte. Leute. Da habt ihr aber lange dran gefeilt und euch anschließend freudig über diesen großen verbalen Wurf die von Schaumgummi unterpolsterten Anzugschultern geklopft, wa?

Zu sehen: Die Fußballerinnen in Slomo, wie sie sich während des Spiels mal schnell Lippenstift aufpinseln und Rouge mit dem Puderpinsel nachtupfen. Was für ein Geistesblitz.
Anschließend wird dann die Werbung für die verschiedenen Produkte eingeblendet. Und nein, das sind keine Hochleistungsrechner oder spannende Spielekonsolen, sondern Backöfen, Waschmaschinen oder Kühlschränke. (Ja, ernsthaft. Kein Scherz.)

Glänzend. Der Frauenfußball emanzipiert sich also endlich. Wird endlich wahr und ernst genommen, von der Gesellschaft nicht nur verlacht und dann macht das weibliche deutsche Nationalteam Werbung mit Schminkutensilien für Backöfen??! Als ich das das erste Mal sah, dachte ich erst dezent fassungslos an eine Persiflage. Mich packte das Grauen, als ich erkannte, dass dies ernst gemeint war. Mögen die Fußballerinnern der Nationalmannschaft sich normalerweise schminken wie sie wollen – das ist mir Wurst. Aber so eine Werbung für Haushaltsgeräte? Was wollen sie damit beweisen? Dass sie “trotz allem” noch weiblich sind? Auch Frauen sind? Dazu braucht es weder Lippenstift in Signal-Nuttenrot, noch ne Waschmaschine in einer endpeinlichen Werbung, die sie selbst auf allen Ebenen deklassiert. Frau ist ja an den medialen Anblick dämlicher Fußballer gewöhnt, die sich durch die diversen Schokoladenbrotaufstrich-Chips-oder-Milchproduktwerbungen stammeln, aber das die Damenmannschaft in dieses billige Horn stoßen und sich im Sinne altbackener weiblicher Rollenbilder instrumentalisieren lässt, ist mehr als befremdlich und schlicht und ergreifend eines: schade.

<end of gehirnausschüttung>

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6 Responses to “Bin ich im falschen Jahrhundert? Über Frauenbilder, Autos, die deutsche Frauen-Nationalmannschaft und den ganzen Rest…”

  1. iLag Says:

    Ganz ehrlich: die Skoda-Werbung hängt nicht längst Vergangenem hinterher, sondern reflektiert den gegenwärtigen Zustand leider viel zu akkurat. Ich als Hausmann-mit-Karrierefrau-und-zwei-Kindern darf das hoffentlich so sagen. Denn Fakt ist: eine solche Rollenverteilung ist nach wie vor ungewöhnlich und sorgt ständig für Überraschung. Finde ich auch nicht gut, ist aber so. Das ist selbstverständlich nach wie vor kein Grund, die Werbung gut zu finden (und die Expert-Werbung geht ja mal gar nicht). >_>

  2. Shermin Arif Says:

    Klar darfst du das so sagen. :-)
    Und mir ist schon klar, dass die Realität zum Großteil immer noch so aussieht, aber ich erlebe es ja auch anders. Ich reibe mich eben an dieser Selbstverständlichkeit der Rollenverteilung im Jahr 2011 und wie diese weiter “beworben” und auch Kindern vermittelt wird. Ich bin bestimmt nicht die Superfeminstin, die dauernd etwas von Bedrohungen durch Maskulisten (oder wie die Dinger heißen) faselt, aber die Welt ist einfach nicht mehr so. Jedenfalls nicht komplett. Sieht man ja an dir als Beispiel. Ich hätte es fortschrittlich, modern, lebendig und für die Vermarktung Automarke sehr viel wertvoller gefunden, wenn unter fünf windeltaschensuchenden Müttern wenigstens ein Vater in vergleichbarer Rolle gewesen wäre. Da hätte sich Skoda keinen Zacken mit aus der Krone gebrochen, die deutsche Kleinfamilie hätte dennoch ihre Autos gekauft und das Image wäre nicht ganz so erschreckend vertrocknet konservativ, trotz ach so hipper Familienwerbung. ;-)

    Und Expert… – selbst meine fast 70jährige Mutter – eigentlich jeder, mit dem ich darüber gesprochen habe – ist deiner Meinung: Geht gar nich!

  3. Damenbinde Says:

    Ja. Hab mich auch grade furchtbar über die expert-Werbung aufgeregt. Es ist so schade, dass unsre Frauenmannschaft, die UNGESCHLAGEN Weltmeister geworden ist, aufs klischéehafte Weibchen-Bild reduziert werden muss und schminkend Tampons bewirbt, nur …. ja.. wieso eigentlich? Damit mehr Männer die WM gucken? Damit man um Gottes Willen nich mehr als Kampflesbenverein gilt? Arm. Total arm. Das Team hat sportlich so viel zu bieten und wird jetzt so ausgenutzt. Achja, die die zu maskulin aussehen, die dürfen natürlich nicht mitmachen, die passen ja nicht ins Bild. Echt traurig.

  4. Simone Says:

    Das mit der Skoda-Werbung ist mir ad hoc genauso negativ aufgestossen wie dir. Die Madame auf dem Beifahrersitz (wo sie hingehört…) und Männe macht den Boss am Steuer. Gähn hoch drei. Und was mich in puncto Frauen WM unfassbar aufregt ist, wie mit dem Thema umgegangen wird. Immer ist es ein Vergleich zu den Männern. Die Frauen WM wird NULL eigenständig angesehen. Gestern im Zeitschriftenhandel das Magazin “11 Freundinnen -Sonderausgabe von 11 Freunde” gesehen. Super. Sonderausgabe. Und in der aktuellen Neon ist ein Interview mit einer Nationalspielerin, wo es zu einem Großteil um so tolle Fragen geht wie “Spielt ihr anders als Männer?” “Spiel ihr aggressiver?” Nur so ein Mist. Der Rest des Interviews handelt vom Outing der Spielerin. Im Frauenfussball ist Homosexualität ja sowas von kein Tabu. Da lecken sich die Männer bei der Vorstellung ja eher über die Zunge. Ich dreh durch. Es ging nicht um das Turnier. Geht es nirgendwo,echt nicht. So ein Elend. Als ich einer Freundin am Telefon erzählte, dass die WM-Frauen im TV Werbung für Waschmaschinen machen, konnte die das kaum glauben. Bring back the Kaffeeservice als Prämie!!

  5. Cammykatze Says:

    Endlich fasst mal jemand in Worte, was mir die ganze Zeit durch den Kopf geht, immer wenn ich diese Skoda-Werbung sehe – warum kann es denn nicht einfach bunt zugehen? Statt drei, vier oder wieviele Mamas zu zeigen, die springen, weil sich Papa + Anhang beklagen, dass es stinkt, könnte man doch einfach etwas Abwechslung ins Windelwechseln bringen…in der einen Familie springt Mama, in der anderen sitzt Mama am Steuer und Papa wechselt, der kleine Tobi sucht die Windeln, und Opa auf der Rückbank gibt Ratschläge…und dann stehen alle im Stau und treffen auf andere Familien…die Autobahn, die erste Windelwechselselbsthilfegruppe A1. – Nein, die Skoda-Werbung mag ich nicht.

  6. Rabin Says:

    Die Skoda-Werbung trötet da nur in ein Schema, dass in der Werbung nur zu gern nach wie vor breitgetreten wird. Da muss man sich nur die Werbeplakate ansehen. Ich wäre viel eher am ungläubig Staunen, wenn einmal eine Werbung nicht die Frau als ‘blondes Dummchen aus dem vorigen Jahrhundert’ hinstellen würde.
    Aber bei den Falschaussagen und dem kellermäßigen Niveau der Werbung allgemein wird das wohl noch eine ganze Weile Wunschdenken bleiben.

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