Archive for the ‘ Berlin speziell ’ Category

Kurzmeldung: Bin gerade auf dem Weg zur Demo in Berlin. Beginn 15.00 Uhr am Potsdamer Platz. Hier gibts mehr Infos zur Aktion „Freiheit statt Angst“.

Wir sehen uns bei der FsA.

 
September 12th, 2009 Berlin speziell, Politisch | 1 Comment
 
 

Ja, die ist immer eine Geschichte wert… weil nämlich, da passieren immer totaaaal komische Sachen. Urplötzlich sind bei allen Zügen die Bremsen defekt. Da können die Herren Manager natürlich gar nix dafür. Das hat auch nix damit zu tun, dass die deutsche Bahn immer mehr Geld aus dem S-Bahn-Betrieb presst und zur Gewinnsteigerung gerne Werkstätten schließt.  Ja also bitte, man kann doch wirklich nicht ahnen, dass die Züge Verschleißerscheinungen haben, bloß weil man mal ein wenig mit der Wartung schlampt oder vielleicht – hier und da – ein paar Leutchen entlässt… Natürlich nicht. Das sind halt… zufällige Zufälle. Und so.

Heute stehen also wieder berlinweit verzweifelte Menschen auf den Bahnsteigen herum. Der S-Bahn-Verkehr ist weitestgehend eingestellt, nur ein Viertel (!) der Züge sind auf den Schienen, am Alex sind sogar die Rolltreppen ohne Strom und die Bahnsteige verschlossen. Die Ringbahn soll zumindest noch eingeschränkt fahren. Wow – das nennt sich Krisenmanagement. Wer derzeit verzweifelt auf die Seite der S-Bahn surft, dem blinkt es dort Signalrot so entgegen:

Bahn

Mal ganz davon abgesehen, dass ich gerade am heutigen Tag die Arbeit im Homeoffice ganz besonders hoch schätze: Angestellter der S-Bahn möchte ich derzeit wirklich nicht sein. Alleine auf einem Bahnsteig so ein handgeschriebenes Zettelchen aufhängen, wo drauf zu lesen ist, dass man irgendwo in Berlin fest sitzt. Kleine Angestellte, die sich tapfer und heldenhaften den marodierenden Menschenhorden entgegenstellen, die wahrscheinlich schon dem ersten Fahrradfahrer, der sich dummerweise samt geliebtem Drahtesel versucht hat sich in die letzte fahrende Bahn zu pressen, Lynchjustiz haben angedeihen lassen. Dieser Situation würde man doch gerne mal die Verantwortlichen aussetzen. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hat wahrscheinlich gestern einen halben Herzinfarkt bekommen. Besondes pikant wird das Ganze durch die noch bis Mittwoch laufende IFA (Inernationale Funkausstellung): Berlin heißt seine Gäste willkommen und drückt sie warm an sein zerfallenes Herz aus S-Bahn-Fahrplänen. Das macht doch eine moderne Weltstadt aus. So ein bisschen Survival-Chic beim Vorwärtskommen.

Schönen Tag noch allen Kämpfern da draußen.

P.S.: Eines muss ich noch lobend erwähnen, die S-Bahn (wenn sie es denn ist, denn der Account ist nicht zertifiziert) twittert und retweeted die Meldungen von Fahrgästen über derzeitige Wartezeiten und Fahrtmöglichkeiten. Das sieht dann in etwa so aus:  „@s_bahn_berlin Marzahn – Tempelhof : 1.5h – Wartezeit auf Ringbahn Ø 25min (via @kenny1987)“ und ist dank diesem Medium wahrscheinlich viel zeitnaher und realistischer am Geschehen als die Website. Auch bei Twitpic laufen die ersten Bilder vom S-Bahn-Chaos ein.

 
September 8th, 2009 Berlin speziell | 1 Comment
 
 

Mittelaltermarkt_HellersdorfVoller Freude haben wir das Plakat vor ein paar Tagen gesichtet –  skeptisch wurden wir dann, als wir bei der Internet-Recherche die Örtlichkeit ausfindig machten. Mitten in Hellersdorf – für Nicht-Berliner: „Bahh nää, mitten in der Platte!“, wie eine gute Freundin es so hübsch zum Ausdruck brachte.

Etwas desillusioniert aber marktwillig fuhren wir dann diesen Samstag da hin. Die U-Bahn hält ja quasi direkt vor unserem Haus und fährt durch, der Eintritt war frei und bei der Monatskarte meines Mannes konnte ich umsonst mitfahren – also keine Ausgaben, die ich der Veranstaltung im Vorfeld negativ anlasten konnte.

Zwischen Neubauten und ein paar kümmerlichen Bäumen war dann der Großteil des Marktes gequetscht. Wobei „Mittelaltermarkt“ hier ein  eher euphemistischer Ausdruck ist. Eine Bühne, ein mickriger Keramikstand, ein Stand mit Schmuck (und einem netten Verkäufer), ein paar notorisch überteuerten Klamotten, Lederkrimskrams, Filzketten (?), 5 Fress- und Saufstände (Ich bin ja nun trotz Geschichtsstudium wirklich kein historisch korrekter Korinthenkacker, aber bei frittierten Kartoffel-Schnitzen und China-Pfanne zucke ich schon ein wenig zusammen.), dazwischen und auf einem freien Gelände nebenan zig Stände zum Verticken von Holzschwertern und schickem hölzernen Spielzeug wie Dolchen, Hellebarden, Schilden oder artig-brave Morgensternen. Und da glaubt ein Großteil der Gesellschaft wirklich die mediale Mär, dass unsere braven Kinderlein ja nieeeee mit Waffen spielen würden und durch die bösen modernen Videospiele total unnatürlich verdorben sind. Ja ne, is klar. Der Fall liegt hier ja auch ganz anders, weil – das Zeug ist ja aus Holz und damit automatisch pädagogisch wertvoll, ne?

Für die großen Jungs und Mädels gabs dann noch die obligatorische Schmiede mit Schwertern und anderem schicken Klingenzeugs. Mittendrin amüsierte sich der Plebs. Wie sagte mein Mann so schön: „Mittelaltermarkt! Eine hervorragende Methode um halb Hellersdorf anständig zu bewaffnen!“

Insgesamt war der Markt also eher so wie ihn sich der durchschnittliche Prolet, der sich gerne in schwarze Kunstledermäntel samt Tribal-bedrucktem T-Shirt und möglichst protzigem Drachenanhänger aus Billigmetall hüllt, vorstellt. Aber ich will nicht unfair sein. Ja, ich habe schon bessere Märkte gesehen, aber man merkte er war vom Veranstalter schon ganz liebevoll zusammengestellt. Vor allem war er günstig – ich zog jedenfalls glücklich mit einer neuen handgetöpferten Tasse (ja, ich gestehe, ich habe eine uncoole Affinität zu Keramik) und zwei Paar sehr günstigen Silber-Ohrringen (Mein arabisches Blut zwingt mich zum Feilschen, ich kann da nix für! Auch wenn mein urdeutscher Mann sich dann peinlich berührt abwendet.) von dannen. Die üppigen Apfelkrapfen à 2 Euro und das Glas Met à 2,50 Euro waren weit unter dem, was mir auf anderen Abzock-Märkten schon begegnet ist.

Auf dem Rückweg beglückte uns im übrigen ein  ca. 3 jähriges Mädel im Kinderwagen wiederholt mit Tourette-Syndrom-artigen spitzen Kreischanfällen sobald sie sich zu langweilen schien. Ich mag Kinder. Eigentlich. Aber diese Brut schrie von jetzt-auf-gleich wirklich so, als ob man ihr mal eben einen glühenden Haken in die Eingeweide gerammt hat. Die Mutter ignorierte das weitgehend und unterhielt sich weiter mit ihrem Lebensabschnittsgefährten (im schicken Ed Hardy-Replikat *uärrrgh*), tätschelte höchstens belohnend den Kopf des Kindes, das sich daraufhin kurz beruhigt, um dann im nächsten Moment der Nichtbeachtung wieder Schreie anzustimmen. Man ist als Berliner ja viel gewöhnt, aber die Tonlage war echt unglaublich und ließ den gesamten Wagon entnervt zusammenzucken. Ich glaub ich mach ne neue Kategorie auf: nervige Bälger.

Im Endeffekt war es keine vollkommen verschwendete Zeit, dennoch war ich ganz froh, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit da weg waren – sonst würden sich unsere Organe wahrscheinlich inzwischen auf dem russischen Schwarzmarkt befinden oder so.

 
August 30th, 2009 Berlin speziell, Monster - Mumien - Mutationen | 3 Comments