Archive for the ‘ Politisch ’ Category

Da dachte ich schon, dass das Objekt meiner fassungslosen Entsetzenszustände endlich weg vom Fenster ist – gedanklich hatte ich ja schon ein Freundenfest gefeiert und war fast bereit, geläutert in ein keusches Kloster einzutreten, um dort einen ruhigen Lebensabend zu verbringen – aber da hab ich den guten Aaaaaron natürlich total unterschätzt. Als wahrer Aalron hat man immer noch ein Eisen mehr im Feuerchen, mit dem man die Leute in den Wahnsinn treiben und etwas piesacken kann. ;-)

Aaron und die junge Freiheit

Aber gut, nach seinem totaaal überraschenden, superspontanen, gar nicht im Voraus geplanten oder nach Fluchtgedanken vor dem Bundesparteitag und seinem Rechenschaftsbericht klingenden Austritt aus der Piratenpartei, wo er sich hunderten selbstdenkenden und sehr scharfzüngigen Piraten live hätte stellen müssen, hat der kleine Aalron wahrscheinlich viel freie Zeit und braucht ein neues Spielzeug. In diesem Falle gründet er seine eigene Partei, so muss er nicht mehr mit Piraten-Schmuddelkindern spielen. Die sind ja eh doof, ziehen immer an den Haaren und stellen lauter gemeine und hinterhältige Fragen zu den klugen Sachen, die der Aaron immer ohne großartige Gehirnleistung von sich gibt. Der Anlass zur Gründung der Partei “Die Freiheit”? Um mal den dazugehörigen Blogeintrag zu zitieren  ” [...] wann, wenn nicht jetzt?” soll man so eine dolle Partei denn sonst gründen? Tja. Frag ich mich auch.

Der Schutz Deutschlands vor den Ausländern

Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt wirklich mit nem Lachkrampf zu Boden sinken. Das ist zumindest die Empfehlung vom Politblogger, der  sehr treffsicher seine Finger auf die fragwürdigen Inhalte der Partei legt. Dank ihm blieb mein Auge nach dem ersten Amüsement an dem Pamphlet den wohlfeilen Aussagen zur Optimierung der Einwanderungspolitik hängen. Geil. Wirklich. Man will ja nicht alle Fremdlinge draußen halten. Nur die Unschönen. Die, die nicht so denken wie Aaron und seine Kumpels. Oder die, die kein perfektes Hochdeutsch sprechen. Dann noch die, die keine hohe Schulbildung haben. Und die Ausländer, die hier geboren, in diesem Land sozialisiert wurden, Deutschland als ihre Heimat empfinden – also DIE, die erst recht nicht. Klingt auch kein bissel nach angebräunelter “Ausländer raus!” Scheiße.

Mein Gott, da kann ich ja richtig dankbar sein, dass meine Mutter eine Deutsche ist und damit die bösen ausländischen Vatergene aussticht. Doch halt – mein Vater spricht zwar deutsch, aber nicht perfekt und ob er mit Aarons philosophischen Ansichten einverstanden wäre? Allerdings ist er Dipl. Bauingenier – Uff, das hochqualifizierte Studium reißt es dann hoffentlich in des Aarons göttlich-blaublitzend-arischen Augen wieder raus.  Und war man damals nicht sogar der Meinung, dass die Kurden als indogermanisches Volk nicht ganz so unwert sind…? Da fällt mir ein, dass meine Mom zum Teil schlesische Wurzeln hat. Ist wahrscheinlich auch schlecht. Obwohl… deutsches Großreich und so… Na dann.

Denn Deutschland muss halt geschützt werden, ne? Ja wo kämen wir denn da hin, wenn wir politisch Verfolgten mit niedriger Schulbildung, bloß weil sie vielleicht ein bissel gefoltert oder vergewaltigt werden eine Zuflucht gewähren? Was zu einer längeren Diskussion führen könnte, wie man Deutschland – diesen uralte Schmelztigel unterschiedlichster Kulturen, der stetig daran wächst neuen Input in sich aufzunehmen -  nun eigentlich genau definiert.

So, ich geh dann mal ausgiebig kotzen. Und hoffe, dass Aaron in seinem Sandkasten mit seinen gleichgesinnten Parteifreunden glücklich wird und nie wieder einen Fuß in die Partei setzt, die für mich gleichbedeutend mit Wahrung meiner Bürgerrechte, freier Entfaltung, angemessenen politischen Zielen und der Benutzung der eigenen Gehirnleistung ist.

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Mai 28th, 2010 Menschen, Monster - Mumien - Mutationen, Netzwelt, Politisch | 1 Comment
 
 

Bin gerade fast bereit für einen Erweckungsgottesdienst. Fühle mich geradezu himmlisch erleichert erleuchtet und stehe kurz davor Konfetti zu werfen. Aaron Stefan Koenig, die Piraten-Nemesis mit der unglaublichsten Begabung geistige Diarrhoe in den medialen Äther  zu blasen und möglichst breit zu zerlatschen, ist heute Abend freiwillig bei den Piraten ausgetreten. Hierzu ein kurzes Zitat von seiner Seite. Ich konzentriere mich hier auf das Wesentliche, das relativ uninteressante Blabla habe ich mal weggeschnitten, bevor wieder irgendwelche Blogbeiträge zufällig editiert werden… :

“Daher bin ich heute aus der Piratenpartei ausgetreten.”

Halleluja. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Ich muss jetzt erstmal aus Dankbarkeit ein Meerschweinchen opfern gehen oder sowas.

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Mai 10th, 2010 Berlin speziell, Daily Gossip, Monster - Mumien - Mutationen, Politisch | 1 Comment
 
 

Hebammen? Warum sollte man sich denn bitte darüber Gedanken machen? Ich persönlich habe mich – dank mangelnder Kinder – damit jedenfalls noch nicht weiter beschäftigt. Derzeit bin ich aber dazu gezwungen. Denn klar: Kinder möchte ich auch irgendwann haben. Und gedanklich-diffus bin ich zumindest immer irgendwie davon ausgegangen, dass ich dann vielleicht von einer Hebamme begleitet werde.
Momentan sieht es nur so aus, dass ich in einigen Jahren dazu wohl keine Chance mehr haben werde, denn der Berufszweig der Hebamme wird wohl ab diesem Jahr – wegen exorbitant steigender Versicherungen – nicht mehr lange weiterleben.

Was macht eine Hebamme eigentlich?

Hebammen – die Bezeichnung bedeutet laut Tante Wiki: althochdeutsch Hev(i)anna: „Ahnin/Großmutter, die das Neugeborene aufhebt/hält“. Eine, wie ich finde, wunderschöne Bezeichnung, die auch Sinnbild der Arbeit ist, die Hebammen leisten.  Der Berufsstand der Hebamme ist uralt und begleitet unsere Zivilisation schon immer – oder was denkt ihr, wie die Generationen vor uns das Licht der Welt erblickt haben? Sterile Operationssäle und gottgleiche  Weißkittel gab es vor ein paar Jahrhunderten noch nicht.

Hebammen begleiten die Schwangerschaft, die Geburt, betreuen die Wöchnerinnen und stehen auch beratend nach der Geburt zu Seite. Bei so einer wichtigen Lebensveränderung und Umstellung eine gewichtige Aufgabe. Viele Frauen (und bestimmt auch Männer) müssen erst lernen mit einer Schwangerschaft, bzw. einem Baby umzugehen, sich darauf einzustellen. Viele Sorgen, Fragen und Ängste tauchen auf – die Hebamme steht in der Regel (auch medizinisch!)  zur Seite, leistet Schwangerschaftsvorsorge, gibt Rat, sieht die Veränderungen und führt die Geburt durch.

Hebammen: E-Petition im Bundestag

Die Frage ist nur: wie lange noch? Wenn sich in naher  Zukunft nichts ändert, werden viele Frauen (und auch Männer) den Beruf der Hebamme aufgeben müssen. Soweit ich weiß, werden auch etliche Geburtshäuser dazu gezwungen sein, zu schließen. Hierzu ein kurzer Ausschnitt von der Seite der Initiative “Hebammen für Deutschland”, die eine Petition zur Soforthilfe im Bundestag eingereicht hat. Seit zwei Tagen kann man hier online mitzeichnen -  also meldet euch an (wenn ihr das nicht eh schon seid) und werft eure politische Stimme in die Waagschale. Greift euch eure Familienmitglieder und Freunde und gebt eure Stimme ab – schließlich geht es um uns und darum wie wir unsere Kinder bekommen. So fern das für manche auch noch in der Zukunft sein mag – irgendwann wird es vielleicht aktuell und dann hat man keine Wahl mehr, weil der jahrtausendealte Berufsstand der Hebamme dank bürokratischer Exzesse ausgestorben ist. Tiefgreifendere Informationen zur Problematik  sind auf der Homepage der Aktion zu finden.:

“Durch erhöhte Beiträge zur Haftpflichtversicherung der Hebammen wird Frauen die Möglichkeit genommen den Geburtsort ihres Kindes frei zu wählen oder sich für individuelle Hebammenunterstützung während der Geburt zu entscheiden!

Geburtshaus-, Hausgeburtshebammen wie auch Hebammen und GynäkologInnen, die Belegbetten in Geburtskliniken haben, sie alle sind in ihrer beruflichen Existenz gefährdet und können unter diesen neuen Vorrausetzungen Geburtshilfe nicht weiter anbieten.

Die Politik muss dringend tätig werden! Es gibt kaum Versicherer, die noch bereit sind, für Geburtshilfe zu haften. Unsere Berufsgruppe ist mit 4.500 freiberuflichen Hebammen zu klein, um weiter die Haftpflichtabsicherung für ca. 160.000 Geburten zu leisten. Das entspricht einem Viertel der Gesamtgeburtenzahl Deutschlands. Daher brauchen wir Ihre Unterstützung.

Seit 5. Mai läuft die Zeichnungsphase der E-Petition des DHV an den Deutschen Bundestag. Sie wird online unterzeichnet:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11400


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Mai 7th, 2010 Gesetzgebung, Menschen, Politisch | No Comments
 
 

Vorsicht! Es folgt mal wieder Piraten-Content. :-) Letztes Wochenende war ja die LMVB. Wem das nichts sagt, hier die Aufschlüsselung: die Landesmitgliederversammlung der Piratenpartei Deutschland Berlin, die am 27. und 28.02.2010 im Meistersaal am Potsdamer Platz statt fand. Ehrlichgesagt habe ich in meinem bisherigen Leben zwar schon öfters politische Diskussionen geführt (das bleibt mit dem Nebenfach  Sozialwissenschaft/Politik/Soziologie im Studium ja nicht so ganz aus..), mich ansatzweise für die Politik und die Zukunft unseres Landes interessiert, aber nie gedacht, dass ich mal wirklich freiwillig Mitglied einer Partei sein würde.  Ein wenig ist es so, als wenn man vorher zu Sprachlosigkeit verdammt war und plötzlich das Heft eines äußerst scharfen Schwerts in die Hand gedrückt bekommt. Wen es interessiert, für den ist hier das Protokoll der Sitzung.

Copyright Cbmd

Am Samstag konnte ich leider nicht teilnehmen (dafür war mein Liebster dort und hat über Tag 1 und Tag 2 geblogt), am Sonntag glänzte ich dann aber mit meiner edlen Anwesenheit. Mein Tag begann irgendwann gegen 6.30 Uhr mit Magenkrämpfen und der  Innensansicht der Porzellanschüssel. Knapp haben wir es dann noch zur Akkreditierung geschafft, so dass ich sehr fasziniert an diesem Stück Basisdemokratie teilnehmen konnte. Geheime Abstimmungen, Liquid Feedback, formelle Gegenrede, offene Abstimmungen, leckere Brote der AG Schnittchen und jede Menge interessante Leute sind mir begegnet. Und eines habe ich gelernt: demokratische Prozesse benötigen jede Menge Aufmerksamkeit und Zeit. Ich habe ja sowas zum ersten Mal mitgemacht, war aber wirklich positiv überrascht über die Organisation, Professionalität und vor allem Andersartigkeit. (Mein Strickzeug habe ich mir aber dennoch verkniffen mitzunehmen. Das wäre für anwesende Pressevertreter wahrscheinlich ne zu große Reminiszens an die Grünen gewesen. *grinst*) Zwischendrin gings mir nicht ganz so gut und ich habe es noch geschafft mein Beinkleid mit heißem Magentee zu begießen. Das folgende Bild, auf dem mich Cbmd, der Haus- und Hoffotograf der Piraten, abgeschossen hat, und wo ich aussehe wie etwas das halb vorverdaut und wieder ausgespuckt wurde, ist dem geschuldet. Nein, ich bin nicht die nette Dame links außen, sondern die etwas matschig vor sich hin schielende Person in der Mitte. Nehmt es dennoch als Beweisfoto für meine Teilnahme an diesem historischen Tag.

Copyright Cbmd

Die Gründung der Piratinnen

Noch etwas ist untrennbar mit diesem Parteitag verbunden: die Gründung einer Mailingliste nur für Piratinnen. Für Außenstehende: Piratinnen gab es bisher nicht. Zwar gibt es natürlich bei den Piraten auch Frauen (bin ja bestes Beispiel), da man aber von  einer absoluten Gleichberechtigung ausgeht, war es bisher Konsens, dass man dafür kein eigenes Wort nutzt. Sondern allenfalls (die leicht nervige) Langversion “weibliche Piraten”.

Pünktlich zur LMVB – und natürlich dadurch auch sehr pressewirksam – hat Lena Simon nun die Piratinnen, eine Gruppierung innerhalb der Piratenpartei, mit einer eigenen Wikiseite und einer Mailingliste, ins Leben gerufen, um einen Schutzraum für in den Hintergrund gedrängte Frauen in der Partei zu schaffen.  Und als Zugabe hat sie gleich noch unauthorisiert und eigenmächtig eine Pressemitteilung dazu raus gegeben, die einen gewissen Schatten auf das vergangene Wochenende warf.

Mal ehrlich – ich gehöre zu den Frauen, die sehr gerne Piratinnen sagen/schreiben/denken würden. Ich finde es ist ein Recht, das Frauen lange verwehrt war und das gerechtfertigt ist, genutzt zu werden. Ich verstehe allerdings auch die Argumentation der Partei, ich gehe mit ihr zum Wohl der anderen konform. Mir sträuben sich allerdings bei all zu dogmatischer Bezeichnungswut die Nackenhaare und ich mag einfach selbst wählen dürfen welches Wort ich nun nutze. Ein Ausdruck ebendieser Freiheit ist ja auch meine Mitgliedschaft in der Piratenpartei.

Genderdiskussion: Pirat? Piratinnen? Pirataußen? Piratunten?

Jetzt kommt aber mein großes “aber”. Aber: der Zweck heiligt nicht die Mittel, nein, tut er einfach nicht. Denn der erstellte Schutzraum treibt erste seltsame Blüten, wie diese Piratin inzwischen feststellen durfte. Ich empfand es auch mehr als nur ein bisschen strange, dass die Initiatorin zwar auf der LMVB auftauchte, da scheinbar hübsch in die Kameras lächelte und wohl Interviews gab, aber Gespräche mit anderen Piraten und explizit auch mit verwirrten Piratinnen, für die sie ja medienwirksam streitet, offen ablehnte. Das am Wochenende auf der Mailingliste auch schon das Misstrauen so hoch kochte, dass man eine Liste in der Liste gründen wollte, wo nur echte, durch Frauen zertifizierte Frauen, reinkämen – quasi ein geheimer Super-Geheimclub – ist nicht mehr nur obskur, sondern einfach nur noch gaga zu nennen. Und mir fehlt es langsam einfach am Verständnis für diese Aktion. Also Piratinnen – gerne, ja doch. Aber muss das so sein? Indem ich meiner Partei schade und sämtliche Leute egozentrisch vor den Kopf stoße?

Das Thema brodelt vor sich hin, andere Landesverbände distanzieren sich schon irritiert und es hat einfach einen unguten Beigeschmack. Die Gefahr, dass feministische Frauenverbände – die meiner Meinung nach eine hohe Daseinsberechtigung besitzen – diese Aktion und die Empörung darauf in den falschen Hals bekommen und uns als frauenfeindlich hinstellen, ist einfach groß. Wir wissen alle, wie schnell so eine Hexenjagd iniziiert ist.

Ich fühle mich als Wesen mit Eierstöcken in der Piratenpartei wohl. Wenn ich nicht nach vorne zum Rednerpult dränge, dann nicht deswegen, weil mich ein böser, böser selbstherrlicher Mann mit seinem Testosteron zur Seite drängt und ich mich nicht geschützt fühle, sondern weil ich a) gerade nichts wirklich geistreiches zu sagen habe b) ich vielleicht zu unsicher bin und/oder c) Panik vor den ganzen Leuten habe. Und ich bin mir verdammt sicher, dass es einem Großteil der Schwanzträger da draußen garantiert genauso geht und das nichts gebärmutterspezifisches ist oder mit meinem weiblichen Hormonspiegel zu tun hat.

Und hey – vielleicht ist es einigen ja nicht aufgefallen, aber obwohl wir so wenige sind, sind drei Frauen gerade letztes Wochenende in den berliner Vorstand gewählt worden. Sonderlich unterdrückt wirkten die jetzt nicht. Vielleicht wäre ein geschlechtsunabhängiger Schutzraum für Menschen, die sich zurückgesetzt und ungehört fühlen, die richtige Antwort auf die derzeitige Problematik.

Ein Gutes hat die niedrige Frauenquote der Piratenpartei: endlich mal kein Gedränge auf dem Frauenklo. ;-)

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März 5th, 2010 Berlin speziell, Politisch | 12 Comments
 
 

Eines mal vorweg: trotz meiner kulturellen Herkunft aus dem orientalischen Raum bin ich keine Muslima – das Geburtsrecht lassen wir hier mal Außen vor. Genausowenig bin ich Christin, obwohl ich hier jahrelang tätig war und mich als Jugendliche taufen ließ – ein Ritual das ich persönlich auch heute noch wertschätze. Ich denke, dass ich – vielleicht auch dank meines Studiums der Soziologie – in der Lage bin einen objektiven, religiös-uneingefärbten Blick auf dieses verquaste Schlamassel zu werfen. Ich bemühe mich zumindest darum.

Die Schweiz und die leidigen Minarette

Einige Menschen werden es vielleicht am Rande mitbekommen haben: am 29.11.09 wurde in der Schweiz per Volksentscheid darüber entschieden, ob Minarette gebaut werden dürfen oder nicht.

Vor über einem Jahrzehnt gab es von ein paar rechtschristlich angehauchten Bürgern in Duisurg ähnliche Bestrebungen, diese wurden allerdings – den Göttern sei Dank – abgeschmettert. Heute steht in Marxloh  mit der Merkez-Moschee eine der größten und modernsten Moscheen Deutschlands, die aktiv in der Integrationsarbeit tätig ist. Der Bau lief reibungslos ab – es geht also auch erfreulich anders.

Eigentlich erübrigt sich in einem Land, das kein Kirchenstaat ist und das  Recht auf freie Religionsausübung garantiert, solche eine Abstimmung. Im Grunde ist es ja nun pupsegal ob Kichturm, Minarett oder Buddhatempel. Abgestimmt wurde in der Schweiz dennoch und das mit einem ziemlich hässlichen Ergebnis, das völkerrechtlich mehr als nur ein wenig bedenklich ist. Kai hat in seinem Blog “Kai`s Kram” schon ziemlich treffend eine Meinung dazu abgegeben, die ich zu 100 % unterschreibe. Wenn ich mich an dieser Stelle weiter über die grenzenlose Blödheit der menschlichen Natur auslassse schnellt mein Blutdruck sonst durch die Decke.

Unqualifiziertes Stammtischgesülze

Natürlich blieb es meiner Gesundheit dennoch nicht erspart sich ein wenig aufzuregen. Bei twitter stolperte ich vorhin über folgenden tweet: “Aaron Koenig – Das Windows ME unter den Bundesvorständen”. Erst entlockte mir das nur ein sanftes Geek-Grinsen, dann fragte ich mich, was der gute Aaron – seines Zeichens Mitglied im Bundesvorstand der Piratenpartei – denn wohl diesmal verbockt hat, um Ziel eines solch treffenden Satzes zu werden. Eigentlich ja auch dumm von mir, anzunehmen, dass er diesen politischen Fettnapf in seinem Blog eventuell auslassen und sich vielleicht einmal mit den unqualifizierten Stammtischparolen, die er dort gerne mal propagiert, zurückhalten würde.  Aber nein, das zarte Pflänzchen meiner Hoffnung wurde quasi verbal zertrampelt, als ich dort lesen musste, dass alle Muslime  ihre religiösen Feinde töten wollen und Aaron glückselig die Schweiz und ihre Demokratie als Mittel gegen die Politkverdrossenheit prieß.  Die Rachepsalme, die wir in der Bibel finden, lassen wir an dieser Stelle mal links liegen. Der missionarische Impetus des AT, der Jahrhunderte das Christentum beflügelt hat, is ja nich so gemeint, ne? Geniales Argument. Herrlich.

Lieber Aaron, weiter so. Fasel dich weiter um Kopf und Kragen, gib den Piraten einen weiteren schmierigen Anstrich, auf dass du bald demokratisch und mit einer möglichst großen Anzahl der Stimmen aus deinem Amt entfernt wirst. Ein Hoch auf die Demokratie!

Zusatz 02.12.09:

Meine leicht übernächtigten Augen sind gerade nochmal über Aaron Koenigs politisches Geschwafel geirrt. Soweit ich es nachvollziehen kann, ist der Beitrag im Nachhinein editiert und entschärft worden. Kommentarlos. Bei mir regt sich Brechreiz.

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November 30th, 2009 Berlin speziell, Gesetzgebung, Politisch | No Comments
 
 

Derzeit ist es hier – krankheitsbedingt – leider ein wenig sehr ruhig. Zum Mauerfall mag ich dennoch kurz mein Mäulchen aufreißen, auch wenn ich nicht wirklich was dazu zu sagen habe. Ich war zarte zehn Jahre alt als sie fiel. Dumpf erinnere ich mich, dass meine Mutter heulte und tagelang aufgeregt war. Mein geliebter Gemahl war immerhin schon 19 und diente gerade bei der Volksarmee. Und ich habe – entgegen der anderslautenden Fernsehsprüche – gar keine Ahnung wo ich damals war. Ich schätze sehr wahrscheinlich tief schlafend in meinem grässlichen Jugendbett,  die Wange glücklich an meinen Kuschelhasen gedrückt.

Mauer_Dieter-Schütz

Und nun sitze ich hier heute Abend auf meinem Sofa, Standort ehemaliges Ostberlin, ich größtenteils sozialisiert im Westen und verliebt in eine ehemals tiefrote Socke. Deutschland und Berlin feiert und ich denke mir: es ist schon echt seltsam, welche Wendungen die Geschichte nimmt. Im Grunde ist es doch wirklich ein Treppenwitz der Geschichte – gewürzt mit einer immensen Portion Glück. Da nuschelt ein Herr Schabowski verkrampft ins Fernsehmikrofon und daraufhin stürmen tausende Bürger friedlich die Mauer – und die  seit Jahrzehnten auf Feindbild und Schießbefehl getrimmten Soldaten lassen sie passieren.  Wenn es nicht so passiert wäre, würde das wohl kaum einer glauben. Hätte ich mir diese Story für einen Roman ausgedacht, hätten die Kritiker mich wohl in Grund und Boden gestampft.

Ich hab die Stimmung als Kind ja nur mit halbem Ohr mitbekommen. Klar, da passierte “was”, meine Eltern, meine große Schwester & meine Oma – wir waren nur drei Jahre früher aus Leipzig via Irak nach Westdeutschland geflohen (ich sollte endlich einen Roman darüber schreiben… ) – waren total aus dem Häuschen. Aus den Erzählungen später habe ich aber eines gelernt: wir haben ein so dermaßen verdammt großes Glück gehabt, das wir das vielleicht gar nicht richtig fassen können. Mal abgesehen von der Frage ob die Wiedervereinigung von Ost und West nun wirklich gut war, es gab so dermaßen viele menschliche Faktoren die einfach hätten schief gehen können. Mein Mann saß während dieser Zeit in einem Munitionslager im Erzgebirge fest und hatte Ausgangssperre – zusammen mit ein paar hundert anderen hormon- und Propagandainduzierten Jungsoldaten. Die Offiziere machten rasch die Fliege und die Gerüchteküche über Angriffe des Klassenfeindes brodelten hoch. Viele waren damals darauf getrimmt und bereit ihr Vaterland mit der Waffe zur verteidigen. Pures Glück – anders kann man es nicht nennen – das nicht jemand vom Lagerkoller befallen zum MG griff und die Landesverteidigung probte. Absolutes Glück, dass bei den Grenzsoldaten in Berlin an diesem speziellen Tag keiner dabei war, der mies drauf war und deswegen den Schießbefehl verwirklichte.

Vielleicht sollten wir uns das Glück, das wir hatten, ab und an nochmal herauskramen und uns vor Augen halten, wenn wir drohen in platte Stammtischparolen zu verfallen und uns Altes herbei wünschen.

Die Euphorie von damals hat vielleicht etwas Moos angesetzt. Manchmal ist man auf seine Mitmenschen etwas gnatzig. Aber vielleicht ist das auch gut so. Die neue Generation hat vielleicht nicht diesen absolut überwältigenden Freudentaumel erlebt, dessen Schatten in manchen Fernsehbildern noch hochkocht. Sie sieht keinen fetten Spalt zwischen Ost und West mehr, im Gegensatz zu uns Alten, die ganz gerne mal hämisch was von “Duuu Osssiiiii!!!!” oder “Vom Wessi lernen, heißt siegen lernen!” krähen.

Mein Dank allen möglichen zuständigen Göttern, den meist gehässig grinsenden Schicksalsnornen (die sich ausnahmsweise mal beherrschten) und vor allem den Menschen. Ich denke an die Menschen die durch die Geschichte unseres Landes gebrochen wurden und an alle die Leben die mit der Wende eine ebensolche erfuhren. Auch wenn das Leben an sich nicht immer einfach ist – wir hätten es wirklich schlechter treffen können… ;-)

Reichskristallnacht

Noch eine wichtige Erinnungern – heute vor 71 Jahren gab es deutschlandweit Pogrome (Ja, das Wort heißt tatsächlich “Pogrom” und nicht “PROgrom” – auch wenn die Berichterstattung von RTL uns das weiß machen will.)  – unter der hübsch-glitzernden Vokabel “Reichskristallnacht” in unseren Geschichtsbüchern bekannt geworden. Ungezählte Menschen wurden von ehemaligen Nachbarn und Freunden aus ihren sicheren Betten gerissen, in Konzentrationslager verschleppt, Geschäfte und Wohnungen verwüstet und geplündert, circa 400 ermordet.  Tante Wiki hat dazu einen ausführlichen Artikel: Reichspogromnacht.

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November 9th, 2009 Berlin speziell, Menschen, Politisch | No Comments
 
 

Bin noch mitten im Wahlkater – Volk, ihr habt wirklich den Guido gewählt? Aus Protest?!? Ich steh im Wald, aber ehrlich…
Um dieses schwerwiegende Trauma zu verarbeiten haben wir uns erstmal ne Woche nach Prag abgesetzt. Kulturelles Gegenprogramm sozusagen.

Und da ich ja ein Kind des Web2.0 bin und unter vermehrtem Mitteilungsbedürfnis leide, kann man darüber natürlich auch einiges lesen. Mein Gemahl und ich wechseln uns da blogtechnisch ab. Grast einfach den magischen Kessel oder Kai`s Kram regelmäßig ab, oder abonniert uns einfach via Feedreader. Solltet ihr ja sowieso zun. Ab und an zwitschern wir auch.

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Oktober 4th, 2009 Alltag, Monster - Mumien - Mutationen, Politisch | No Comments
 
 

Ich bin gerade in den Lesegenuss dieses Schriftstücks von Elke Wittich bei der “Jungle World” gekommen.

Also mal vorweg – ja, die Piraten sind absolute politische Newbies. Und ja, sie machen echt viele, unglaubliche dumme Fehler auf dem politischen Parkett. Das kann man – selbst wenn man beide Augen hermetisch zukneift – nicht leugnen. Zum Beispiel das Interview vom Popp und der ganze Wirrwarr wiewarumweshalb und aus wessen Unfähigkeit eine Suchmaschine zu bedienen das nun entstanden ist. Mehr als nur peinlich. Dann wurde – sehr geschickt – von der “Jungen Freiheit” ein vor Monaten ausgefüllter Fragebogen von Jens Seipenbusch aus den Untiefen der redaktionellen Karteikästen gezogen und eine Empfehlung für die Piraten ausgesprochen.
Mal ganz davon abgesehen, dass die beiden Vorfälle intern bei den Piraten – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade riesige Begeisterungsstürme, sondern sehr starke Diskussionen, Fragen und Empörung auslöste, sieht das für jeden denkenden Menschen nach einem gewitzten politischen Schachzug zur Diskreditierung aus. Und die Linken springen natürlich großspurig-freudig auf den Brocken an, der ihnen da gewitzt hingeschmissen wurde. Wahrscheinlich liegt die geschlossene Redaktion der “Jungen Freiheit” gerade auf dem Boden und hält sich vor Lachkrämpfen den Bauch.

Zusatzzahl: Piratenpartei

Eines sollte man bei allem beachten: – Obacht, ich zitiere ein altes deutsches Sprichwort – “Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.” Das ist nicht als lapidare Entschuldigung zu werten für die Fehler die verbockt wurden oder wahrscheinlich noch kommen werden, sondern als Erklärung.  Die Piratenpartei wächst rasant, die Piratenpartei lernt und sie ist dabei ein äußerst gelehriger und engagierter Schüler. Vielleicht macht gerade dies den etablierten und festgefahrenen Parteien Angst und sie müssen solche billige polemische Tricks aufbieten, um den politischen Widersacher möglichst unwählbar erscheinen zu lassen. Eine breite Basis, die freiwillig politisch aktiv ist und nicht zur Wahl getreten werden muss, kann einem ja als gestandener Politiker auch nächtliche Albträume bereiten. Nachher erwarten die vielleicht auch noch das man sich nach der Wahl an Wahlversprechen hält? Eine unglaubliche Vorstellung!

Der braune Haufen als letztes Lockmittel vor der Wahl

Mir – als mit der deutschen Kultur sozialisierter Kurdin – ist jedenfalls eben beim Lesen von Frau Wittichs Kommentar die Galle hochgekommen und mir wird regelrecht übel, wenn ich lese wie sie sich schadenfroh eine uniformierte rechte Welle zurechtkonstruiert. Ich meine, ich bin ja recht unerfahren auf der politisch hochgebildeten Super-Ebene, also wie darf ich solche Aussagen werten? Ist das ein erprobtes Mittelchen, das man quasi als letzten Ausweg aus der Schublade reißt? Ich sehe diese Medizin geradezu bildlich vor mir – eine dunkelbraune  große Apothekerflasche, auf der die Aufschrift prangt: “Parteigift. Tötet Schädlinge ab und macht gegnerische Partein in Deutschland sofort  unwählbar”

Und bei Dosierung steht dann: “Ihre politischen Mitkonkurrenten sind zu aktiv und drohen in ihrem Revier zu viele Wählerstimmen zu wildern? Kein Problem! Geben sie einfach einige Tropfen nationalsozialistisches Gift in den Wahlkampf, stoßen den Gegner in einen braunen Haufen aus verbalen Mist und schreien ein paar mal möglichst entsetzt “Polen” , “Hitlerjugend” und “Israel”. Empfehlenswert sind auch Vokabeln wie “Gleichschaltung” und “BdM”. ”

Na dann mal guten Appetit Deutschland. Mund auf.

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September 24th, 2009 Politisch | 1 Comment
 
 

Hinter dem auf den ersten Blick etwas kryptisch erscheinenden Begriff  “OptOut” verbirgt sich eine Aktion der Piraten um die eigenen Daten zu schützen.  Werbung, Adresshändler und diverse Datenschutzskandale der jüngsten Vergangenheit nerven euch? Gut, dann kommt heute in eurem Kiez zum OptOutDay an eurem Bürgeramt oder Rathaus und nehmt euch das Recht Widerspruch gegen die Weitergabe eurer persönlichen Informationen einzulegen.

Datenschutz ist Bürgerrecht

Rein rechtlich ist es nämlich zulässig, dass die staatliche Meldebehörde, bei der man eingetragen ist, personenbezogene Daten (zum Beispiel eure Konfession, Adresse, Geburtstag, Familienstand …) weitergibt, wenn man sich als Bürger nicht ausdrücklich dagegen ausspricht.

ood09 – Wann? Wo? Wie?

Heute. Jetzt. :-) Auf der offiziellen Seite zum OptOutDay09 könnt ihr euch über Aktionen in eurer Nähe informieren. In der Regel stehen im Zeitraum, in welchem die Bürgerämter geöffnet sind, nach Möglichkeit nette Piraten mit einem simplen Formular zum Widerspruch für euch bereit. Sie sind auch  gerne bereit euch genaueres zu erklären.

OptOutDay – Berlin-Friedrichshain

Die beiden Crews von Friedrichshain-Kreuzberg stehen heute im Zeitraum von 10-18.00 Uhr vor dem Bürgeramt an der Frankfurter Allee 35-37.
Kommt doch einfach vorbei und schützt eure Daten. ;-)

OptOutDay – Berlin-Lichtenberg

Crew Leuchtturmspitze steht gleich von 15.-19.00 Uhr vor dem Bürgeramt 2 in der Möllendorffstraße 5 in Lichtenberg.

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September 17th, 2009 Berlin speziell, Politisch | No Comments
 
 

Nicht das ihr denkt ich wäre mit dem Thema ein wenig spät dran – ich habe die erste Aufzeichnung von der FsA09 direkt Samstagnacht bei Youtube gesehen und war – auch wenn das jetzt total ausgelutscht klingt – absolut geschockt.

In den tiefen meinen kleinen schwarzen Herzchens bin ich nämlich ein braves Mädchen. Ein  sehr braves Mädchen, das – trotz aller Berichte, Erzählungen und eigener Erfahrungen – irgendwie doch immer an “das Gute” glaubt. Auch – lacht bitte nicht – an das Gute, irgendwie doch Gerechte, in der Staatsmacht. Vielleicht ist es ein eingeimpfter und in der Kindheit geprägter Obrigkeitsglaube, den man lernen muss zu bezwingen, gemixt mit dem irrationalen Glauben an die eigene Unverletzbarkeit. Klar bin ich mir darüber bewusst, dass es solche Übergriffe schon immer gab und auch immer geben wird – leider und auch von beiden Seiten.

Aber mal ehrlich, man denkt doch immer unterschwellig in einem versteckten und zugestaubten Winkel seines Gehirns: Ja mir, mir passiert sowas schon nicht. Mir doch nicht. Und mal unabhängig davon, dass ich es absolut unglaulich finde, dass irgendein blöndlicher Polizeibeamter, ganz Polizei-Schwadron-Dritte-Welt-like, einem zu Boden gerissenen Mann grinsend mehrfach seine panzerbehandschuhte Faust ins Gesicht rammt, während sich ein Kokon aus weiteren Beamten wie ein Wespenschwarm um die am Boden liegende Person schließt und sie geschäftig in ihr Nest schleift – und das mitten in meinem Deutschland – so sehr verstärkt es das persönliche Entsetzen, wenn man weiß, das man da kurz vorher auf der profanen Suche nach einem Klo vorbeigelatscht ist.
Hört sich doof an, is aber so.

Für den (absolut unwahrscheinlichen) Fall, dass das an jemanden bisher vorbeigegangen ist hier nochmal Video und Links zu den Pressemittelungen des Falls:

Video bei Youtube

Pressemeldung der Polizei

Pressemitteilung des Opferanwalts

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September 14th, 2009 Berlin speziell, Daily Gossip, Politisch | No Comments