Ich könnte mich jetzt lang und breit darüber auslassen, wie schmierig ich den Herrn von und zu Guttenberg samt seiner Frisur finde, dass mir sein erster Anblick damals zwar nicht Instant-Hate bescherte, aber ich immerhin den Eindruck hatte, dass mir spontane Antipathie-Pocken unsichtbar aus jeder seiner Poren entgegen quollen.  Ich könnte also erzählen, dass der Mann bei mir vom ersten Augenblick an, als er seinen wohlgeformten Barbie-Ken-Mund öffnete, absolutes Misstrauen auslöste und sämtliche Alarmsirenen in meiner Großhirnrinde -rein  metaphorisch betrachtet – dauerkreischten. Ich könnte auch berichten, dass bei den ersten Meldungen über Plagiatsvorwürfe ein hämisch-boshaftes Lachen meinen bezaubernden Lippen entglitt.

All das könnte ich. Werde ich aber nicht. Weil – das wäre ja sehr stark subjektiv eingefärbt und daher total unsachlich…  Und nett wäre es wahrscheinlich auch nicht. Also, um nicht davon zu sprechen, was jener Mann schon vor Urzeiten mit meinen irritiert aufgestellten Nackenhaaren anstellte, werde ich mich mal seiner Doktorarbeit widmen.

Karl Xerox Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit

Ich habe zwar nie eine Doktorarbeit geschrieben (ich fürchte, dazu fehlten mir Ehrgeiz und Dreistigkeit), sondern nur eine Magisterarbeit und unzählige andere wissenschaftliche Seminararbeiten  verfasst. Als Akademikerin und freie Journalistin (die es ja grundsätzlich berufsbedingt hassen, wenn ihre Texte sich unbezahlt und ohne Quellenangabe plötzlich irgendwo anders wiederfinden ;-)) kann ich sehr gut verstehen, warum sich so viele über die Plagiatsvorwürfe aufregen.

Was ich nicht verstehen kann, ist, dass es tatsächlich Leute gibt die rumquengeln, dass das doch alles nicht so schlimm wäre und die paar kopierten Textstellen doch niemandem weh tun. Die Vorwürfe wären ja alle nur aus Neid entstanden oder die Opposition hätte das angeleiert und Herr Guttenberg wäre ja dennoch ein guter Verteidigungsminister,  er macht seinen Job doch toll und soll keinesfalls zurücktreten. Und schließlich hat ihn ja Frau Merkel auch nicht als Hiwi angestellt, wa? Mal so ein paar Fußnoten zu vergessen… das is‘ doch pille palle. Das kann ja jedem mal passieren. Ist ja menschlich. Oder nicht?

Solche Aussagen bringen mein Blut zur Wallung. Und zwar nicht im positiven Sinne. Um das klar zu stellen: ich bin die letzte, wirklich die aller-, allerletzte, die sich darüber aufregt, wenn man mal vergisst eins, zwei Zitate zu kennzeichnen.  Das ist nicht schön, das ist nicht toll. Aber es kann – begraben unter einem riesigen Berg von Notizzetteln, der Arbeit mit verschiedenen Arbeitsversionen und mit der Hektik des herantrabenden Abgabetermins – durchaus mal vorkommen. Da schreibt man sich rasch was aus der Sekundärliteratur heraus und vergisst es dann im Stress einfach zu kennzeichnen. Oder kann das später eventuell nicht mehr genau verifizieren, ob der Satz selbstverfasst oder aus einem anderen Werk entnommen ist. (Lacht nicht, bei Arbeiten mit 20-30 verschiedenen Quellen, über einen längeren Zeitraum hinweg, mit hypothetisch chaotischer Arbeitsweise, wäre das denkbar) Das ist dann – im gewissen Maße – ein beschissener, aber unabsichtlicher Fehler, der eine unsaubere Arbeitsweise quittiert und über den man mal hinweg sehen kann.

Wissenschaftliches Arbeiten

Jetzt kommt das große „Aber“: Aber bei aller öffentlicher Bagatellisierung der Guttenbergschen Doktorarbeit – dies scheint hier nicht vorzuliegen. Ich mag den Mann nicht, aber ich habe mich dennoch bemüht die Sache unvoreingenommen als Wissenschaftlerin anzusehen, gerne bereit mal den einen oder anderen Flüchtigkeitsfehler durchgehen zu lassen. Was ich dann  beispielsweise im Guttenplag – vorfand und las, wollte ich im Grunde nicht glauben. Denn so unglaublich dumm und dreist kann eigentlich kein Mensch vorgegangen sein. Was sich vor meinen Augen auftat, war systematisch, betrieben von einer gewissen kriminellen Energie und Verschleierung. Denn wenn man ein Zitat einfügt und dann versehentlich vergisst die Fußnote einzufügen, dann kommt man dennoch noch lange nicht auf den Gedanken, das Zitat nochmals etwas umzuschreiben und zu verfremden. Genausowenig, wie einem spontan entfallen kann, dass man mal eben ganze Passagen entwendet oder ganze 15 Seiten in seine Dissertation einfließen lässt.

Um mich nicht misszuverstehen: Das Aufnehmen von schon vorhandenen Thesen und die Handhabung sie einfließen zu lassen – das ist sicherlich ein Großteil der wissenschaftlichen Arbeit. Man baut eben auf den Forschungen und Erkenntnissen anderer auf, aber selbst für diesen Fall von indirekten Zitaten gibt es dann noch eine Fußnote, die mit „Vgl.  siehe hier und dort….blablabla“ ihren Anfang nimmt, um korrekt zu belegen wo man Anleihe für diese Gedankengänge genommen hat. Es ist allerdings Sinn aus diesen gesammelten Fakten abschließend in Eigenleistung seine eigenen Schlussfolgerungen und Theorien zu ziehen

Guttenberg – der Umgang mit den Plagiatsvorwürfen

Was Herr Guttenberg sich da zusammengeguttenbergt ..äh.. gezimmert hat, ist also – von meiner privaten und bescheidenen Warte aus – ein geplanter Betrug und eine vorsätzliche Täuschung, die abschließend auch noch die echte wissenschaftliche Arbeit anderer Akademiker abwertet.  Zumal es ein nicht gerade glückliches Licht auf seine Persönlichkeit und Arbeitsmoral wirft. Denn spätestens ab dem Grundstudium sollte jedem klar sein, dass ein solches Arbeiten mehr als nur ein wenig ehrenrührig ist.

Und selbst wenn es eine von der Opposition lancierte erste Meldung zu dem Thema gegeben hätte – es interessiert an dieser Stelle einfach nicht. Die Doktorarbeit hat nicht heimlich jemand von der Opposition verbrochen und dem armen Guttenberg untergeschoben, das hat er nämlich ganz allein zu verantworten. Weil einen Ghostwriter hat er ja garantiert nicht beschäftigt. Sagt er.

Spannend finde ich, dass viele Menschen scheinbar zwischen den hier unter Beweis gestellten Charakterzügen und seiner Arbeit als Verteidigungsminister unterscheiden können. Das ist ungefähr so, als würde ich einem windigen Gebrauchtwagenverkäufer, ein neues Glanzpolish für seine Karosserie verpassen und ihm dann, weil er ja so hübsch glänzt, die Oberherrschaft über die deutschen Truppen antragen. Man möge doch bitte mal die Augen öffnen – dieser Fall, diese Handlung betrifft den GANZEN Menschen. Da ist keine Trennung möglich, das ist auch keine Bagatelle – das ist eine ganz klare Frage von Vertrauen. Und wenn mein Verhältnis zu ihm vorher schon einen Knacks weg hatte – jetzt ist es förmlich unterirdisch. Für mich als deutsche Staatsbürgerin hat so ein Mann, so ein Mensch, wirklich nichts mehr in einem öffentlichen Amt zu suchen. Fertig. Im Grunde würde es der Anstand gebieten, dass er  zurücktritt und nicht, dass er überlegen lächelnd seinen Titel ruhen lässt.

Wenn ich König von Deuuutschland wär….

Leute – macht doch bitte mal die Augen auf – der Typ ist vor ein paar Jahren plötzlich auf der politischen Bühne erschienen. Der perfekte siegfriedianische junge Held: Groß, gutaussehend, selbstsicher, machthungrig – an seiner Seite das sozial-engagierte blonde Kampfweibchen – und dann auch noch adelig! Mein Gott! Fehlt nur noch das Schwert. Spätestens jetzt fängt der durchschnittlich-obrigkeitsgläubige und adelsgierige Bildzeitungsleser hektisch an zu hyperventilieren und erleidet quasi den politischen Megaorgasmus. Adel! Blaues Blut! Fast so wie datt William und datt Kate in England! Oder damals im Kaiserreich. Ganz egal, ob in Deutschland der Adel noch existent ist oder nicht: Hach – ein eigener König (und ich denke auf das Bundespräsidenten- oder Kanzleramt  ist KXTs sehr geschickt konstruierte und PR-mäßig geplante Karriere langfristig ausgelegt – man braucht ja schließlich Ziele im Leben), na das wäre doch was.  Dann wären wir Deutschen ja endlich mal wieder was. So mit so ner Quasi-Monarchie von Guttenbergs Gnaden. Da wäre die Ordnung dann wieder hergestellt. Immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sehr die menschliche Natur dazu neigt – ja eher giert – sich selbst klein zu halten und zu einem katzengoldschillernden Führer aufzublicken.

Die Zukunft von Deutschland

Und ich fürchte fast – so wird es kommen. Trotz Doktor-und-Plagiatsskandal, wird es der Delinquent schaffen, was noch keiner vor ihm schaffte, sich wohl behütet aus seiner misslichen Lage herauswinden, das ganze souverän lächelnd als Kavaliersdelikt abtun und huldvoll seinem Volk zu winken. Und das Volk, das Revolutionen auslöste und umbarmherzige Machthaber und Unterdrücker stürzte, wird (bis auf wenige Ausnahmen, die damit beschäftigt sein werden, sich vor Unbehagen zu übergeben) glückselig-verliebt zu ihrem Herrn aufblicken.

Ich hoffe doch sehr, dass ich mich betreffs dieser Deutschlanddystopie irre, mein Instinkt mich trügt und meine Abneigung meine Sinne all zu sehr vernebelt. Andererseits – die Piraten (bei denen ich seit diesem Jahr kein Mitglied mehr bin), haben mich im Kleinen gelehrt, dass in der Politik immer irgendwo ein selbstherrlicher Suppenkasper auftaucht, der sein Pfauenrad auf dem Rücken der anderen schlägt. Nicht nur die Revolution, auch die Politik frisst genüsslich ihre eigenen Kinder und lässt sie dann zwar ohne Kopfschuss, aber jeglicher Ideale und Visionen beraubt zurück.

Ich bin dann mal kurz weg, arbeiten und meinen Brechreiz bekämpfen.

 
Februar 22nd, 2011 Menschen, Politisch | 4 Comments
 
 

… leider. Nämlich in meiner Wohnung. Beziehungweise momentan auf unserer Terrasse. Samt Staubsauger. Lacht nicht.  Ich spreche wirklich kein Anglerlatein, wenn ich sage, dass ich in freier Wildbahn noch nie so eine riesige Spinne gesichtet habe. Und dabei klebte das Vieh schon drei Meter über mir an der Decke.

Ich mag Spinnen nicht, aber ich kann sie in Grenzen tolerieren, besonders wenn sie im Sommer leckeres Ungeziefer wie Motten und Mücken vernaschen. Neben meinem Sofa wohnt seit Monaten eine keine unschuldige Hausspinne, die ein sehr zurückhaltendes Wesen hat und auf den Namen Elvira getauft wurde (Ihr Mann Horst wohnt einige Zentimeter tiefer, nimmt sich aber ab und an mal eine beziehungstechnische Auszeit von Elvira. Vielleicht verspeist sie ihn auch in regelmäßigen Abständen und ich bin schon Horst II- IV begegnet? Und nein, ich bin nicht total gaga.) Was ich nicht mag ist, wenn  ich Arachniden begegne, die mich sanft an Hagrids Aragog erinnern und mit ihrem Anblick dafür sorgen, dass sich bei mir gleich der ganze Schopf und nicht nur vereinzelte Nackenhaare aufstellen.

Und ich fürchte die kleine Tarantula will zurück ins Warme. Der Illusion, dass unser Staubsauger genug Saugkraft hatte, um dieses gigantische Vieh zu zermalmen, gebe ich mich nicht wirklich hin. Viel eher hat sich dieses behaarte Spinnenmonster wahrscheinlich Innen am geriffelten Schlauch festgeklammert, nachdem es sich schon problemlos geweigert hatte überhaupt eingesaugt zu werden. Der Liebste musste das Staubsaugerrohr unter die Spinne klemmen und das emsig vor sich hin spinnende Vieh quasi von der Wand schälen.

Jetzt befällt mich die Frage – war Tarantula alleine? Oder plante sie schon Nachwuchs? Gehört eventuell eine ganze Sippe dazu? Ich stell mir das richtig schön vor, wie die großen Schwestern und die Mama in irgendeiner dunklen Ecke der Wohnung bösartig grinsend auf sie einredeten, damit sie da draußen mal gucken geht. „Komm, Klaiine… sträck mal die Füßchen da raus. Mach nurrr.. mach nurrr.. Wirrr wollen ääxpandieren, sieh mal, wirr trätän uns schon gegenseitig auf die Netze und deine Nichten und Neffen schlüüüpfen bald aus ihren Eiern. Sieh dich um, dirrrr passieeert schon nichts…!“ Nicht, dass ich nachher das spinnentechnische Äquivalent einer Vendetta an meiner Zimmerdecke habe… (Und warum haben die Spinnen in meinem Kopf eigentlich einen so seltsamen russischen Der-Pate-KGB-Akzent…? (Ich fürchte der letzte Satz hinterlässt keinen guten Eindruck von meinem Geisteszustand… Aber die Spinne – ihr wisst schon.))

Und nein, Fotos gibt es keine, ich war viel zu sehr damit beschäftigt auf einem beschuhten Fuß herumzuhüpfen, Geräusche wie „Arghhhhhohggooootttieeeehääärgs!“ hervorzuquetschen, gegen den spontanen Wunsch anzukämpfen mir die Haut vor plötzlich entflammter Spinnenphobie runterzukratzen und entsetzt dieses Tier anzukreischen – um mal ganz dem klassischen weiblichen  Rollenmodel zu entsprechen.

 
Januar 14th, 2011 Alltag | 2 Comments
 
 

Mir ist gerade aufgefallen, dass die Berlin-Kolumne vor zwei Tagen – am 26.08.  –  Geburtstag hatte und ein ganzes Jahr alt wurde. Happy Birthday to me also irgendwie. Und Happy Birthday für meine heißgeliebte Dornröschen-Berlin-Kolumne.

Anlässlich dieses Datums gibt es als Geschenk eine kleine Liebeserklärung an die Stadt. Sie ist vielleicht ein wenig angelaufen, schmuddelig und hat ein paar Macken (die Erklärung, nicht die Stadt, obwohl das auf sie auch zutrifft), kommt aber aus tiefstem Herzen… 😉

Meine beste Freundin wohnt ja leider nicht in Berlin, sondern irgendwo im tiefsten BaWü. Mehrfach im Jahr verirrt sie sich aber netterweise zu uns. Und falls wir uns dann mal gerade nicht spätrömischer Dekadenz auf dem Sofa hingeben und exzessiv gammeln, die Küche zwecks Koch- & Backorgien überfallen, die Cidre-, Gin- oder Absinth-Vorräte dezimieren oder in tiefsinnige Gespräche beim subversiven Stricken und Spinnen vertieft sind, bewegen wir uns auch mal in der Außenwelt. Fast jedes mal ist sie dann – obwohl eine mehr als toughe Frau – durch irgendwelche Mitberliner verwirrt oder verschreckt, die ihr in den Weg taumeln oder blöde Sprüche reißen und betont dann, dass sie niemals hier leben könnte.

Berlin. Kreischender Schmelztigel – zwischen Glas, Stahl, Ruinen & Abfall.

Zuviel, zu laut, zu freaky. Berlin ist eine Stadt voller Extreme. Voller massiver Gegensätze. Steigt man aus dem dunklen Bauch der Stadt via U-Bahn heraus, weiß man nie, was einen erwartet: Gläserne Stahlpaläste & moderne Spannbeton-Tempel – durchgestylt bis zur letzten perfekt platzierten und auf Hochglanz polierten Granitfliese – prallen auf direkt daneben liegende verwesende, zugewucherte Baubrachen. Wer aufmerksam hin sieht, darf Berlins Schönheit im verrottenden Verfall erblicken:  romantisch dahinbröckelnde Ziegelsteinruinen, eine Birke, die geradlinig durch ein zerborstenes, feuergeschwärztes Dach strebt. Schmiedeeiserner Rost, der in den Himmel wächst und den Zugang zu geheimen Wegen verheißt, müllverhangene Fensterhöhlen und aufgegebene Erde – (scheinbar) vergessene Orte in Berlin, die in mir unweigerlich die Frage auslösen: Was für ein Platz warst du früher? Welche Menschen haben hier ihr Leben gelebt? Warum bist du aufgegeben?
Genauso kann man natürlich auch auf herausgeputzte Altbauten treffen – hoffentlich ohne Pfusch. Quasi das Bindeglied zwischen altem Bau, Moderne, architektonischer Kunst, restauriertem Stuck und natürlich zeitgemäßer Bequemlichkeit.

Das alte Berlin?

Obwohl ich in einem sanierten Altbau (leider ohne dem obligatorischen Stuck, dafür mit dämlich abgehängten Decken) lebe und ihn mir gezielt aussuchte, sind mir die verschrobenen Orte an Berlin mit das Liebste und Sympathischste. Ich muss verliebt lächeln, wenn ich mit der quietschenden, vollgestopften S-Bahn an den zusammengestoppelten Schrebergärtchen mit den kleinen Datschen vorbeitingele. Bei aller Verzauberung für die schmutzige Magie der großen Stadt, bei allem freigiebigen Mitleid, Begeisterung  und jeder vergebenen Münze hat mir Berlin aber auch (über)lebensnotwendiges beigebracht. Schultern zeigen, sich auch in Rücksichtslosigkeit üben, Vorsicht bei Vertrauen walten lassen. Ich fürchte, ich bin als all zu soziales Schäfchen erzogen worden. Meine Vertreibung aus dem Paradies fand zwar auch schon vorher statt, aber dennoch ist es vielleicht ganz gut, dass Berlin mir eine lebensnotwendige Prise Misstrauen mitgab und mir gefährliche Naivität austrieb. Zum Teil jedenfalls. 😉

Standortbestimmung – Wurzeln schlagen

Am Anfang ging es mir hier ähnlich wie meiner Freundin. Sogar sehr viel schlimmer. Ich war verschreckt von der Größe und den wahnsinnigen Gegensätzen, die hier aufeinanderprallen. In den ersten Wochen nach meinem Umzug fühlte ich mich leer, unverwurzelt, ausgerissen, hin- und hergeworfen, allein. Ich (ver-)zweifelte,  fiel mental regelrecht in ein Loch, taumelte orientierungslos umher, fühlte mich, als ob ich alles wie unter tiefem Wasser wahrnehmen würde. Phasenverschoben, unecht, beängstigend. Eine Freundin nahm mich damals bei der Hand. Sie war zu Besuch und genauso überwältigt, fühlte sich vielleicht noch kleiner als ich. Doch zu zweit kann man sich aneinander anlehnen, sich helfen die Augen zu öffnen, zu begreifen und lachend zu seiner Stärke finden. Allein weil sie da war, war ich für uns beide doppelt stark. Gemeinsam erkundeten wir „meinen“ Kiez. Auch die Arbeit in meinem Hinterhofgarten trug nicht unwesentlich dazu bei, dass ich zeitgleich mit meinen tief, in der von mir bezahlten und hier ausgebrachten Erde, eingegrabenen Pflanzen hier langsam Wurzeln schlug.

Lebenshunger – ein Biss Großstadt gefällig?

Und heute? Man soll ja niemals nie sagen. Ich bin eigentlich meist ein ruhiger Mensch. Manchmal extrovertiert, sicherlich irgendwie besonders, Dauerparty benötige ich nicht. Im Herzen bin ich zum Teil in Leipzig und vor allem ein Kind des tiefsten, schmuddeligsten Ruhrpotts… Meine Augen glänzen sehnsüchtig, wenn ich an den rotglühenden Abstich der Hochöfen denke, die den Nachthimmel über Duisburg wie in einem Gemälde von Caspar David Friedrich zum magischem Leuchten bringen. (Ey, wirklich!) Tiefste Heimatgefühle erwachen, wenn ich jemanden im breitesten Ruhrpott-Slang sprechen höre. Ich werde vielleicht ein wenig wehmütig, wenn ich an die Menschen, Plätze und Erfahrungen von früher denke. Aber ich vermisse nichts. Ich bereue diesen Schritt nicht. Ich habe meine Wurzeln ausgebreitet, unter dem Pflaster der Stadt wachsen lassen und sie in die Lebensadern gebohrt, die meine durstige und hungrige Seele nähren. Ich habe so viele spannende und tolle Menschen kennengelernt, so viel Freiheit erlebt, so viel Schönschrecklickes gesehen und willwillwillwill mehr! Und zwar hier. Gerne auch jetzt. Da draußen ist noch so viel, das ich kosten muss. So viele, die es vielleicht wert sind mich kennenzulernen. Hätte ich in dieser Sekunde die Wahl – ich müsste nicht überlegen, was ich wählen würde.

 
August 28th, 2010 Berlin speziell | 1 Comment
 
 

Seid ihr ausgehungert? Lechzt insgeheim danach, eure Zähne in pralle Früchte und süßen Saft zu schlagen? Dürstet nach klaren Quellen für eure staubtrocknen Kehlen, kaum noch des Lachens fähig? Beißt zu, Schwestern! Setzt euch, Brüder! Esst, trinkt, fresst, sauft. Der Tisch ist reichlich gedeckt!

Rezept für ein ausschweifendes Leben

Tauche gänzlich in den Genuss,
lecke genüsslich das Marmeladenmesser des Lebens ab.

Leere den Kelch der unlöschbaren Tränen,
atme die Fülle der Trauer.

Schneide eine fette Scheibe Lachen vom Leben,
vertilge sie gründlich. Bis auf den letzten Krümel.

Nimm einen großen Schluck aus dem Kessel der Schöpfung,
schmecke tief hinein und hinab, koste aus.

Löse einen großen Klumpen Herzblut aus deinen Eingeweiden,
schneide tief, schmerze gut, gib viel.

Fülle deine Seele mit Licht,
damit du die Dunkelheit sehen kannst.

Nimm viel. Gib viel. Fühle groß.
Wälze dich darin.

Klaube die Krumen aus deinen Haaren und Kleidern.
Lege genug in die Waagschalen.

Blicke stets offen voran.

Shermin Arif 16.09.2009

Lebensschätze

Begehre und trinke stets bis zur Neige,
sonst siehst du nicht den Grund der Dinge.

Verliere dich und löse dich in deiner Sehnsucht auf,
sonst findest du nicht die Wurzel die dich treibt.

Schmecke alles leer, dessen du habhaft wirst,
sonst lernst du die Viefalt nicht schätzen.

Schöpfe aus dem Alten und Neuen,
sonst bist du am Ende leer und hinterlässt ein Nichts.

Shermin Arif 16.10.2009

 
Juli 16th, 2010 Kunst! | No Comments
 
 

Wie meine zahllosen Leser in den letzten Wochen bestimmt schon gemerkt haben, glänzt auch dieses Blog (genau wie mein Foodblog) seit einigen Wochen durch Flattr-Buttons. Seit Anfang Juni bin ich dabei und wurde schon unfassbare zweimal wahnsinnig wild geflattrt. Eingenommen habe ich damit erstaunliche 1,77 €. Ja, ja, ich weiß. Ich darf jetzt nicht sofort größenwahnsinnig werden und alles auf einmal auf den Kopf hauen. 😉

Was ist Flattr? Und wie funktioniert das denn bitte?!

Wer jetzt hier vor diesem Blogeintrag steht, sich ein wenig ratlos am Kopf kratzt und sich fragt warum die komische wirre Frau da dauernd was von flatternden Dingen schreibt, dem möchte ich meinen brandneu veröffentlichen Artikel „Was ist Flattr? Und wie funktioniert Micopayment?“ an das interessierte Leserherzchen legen.

Mit Flattr wirklich Geld verdienen? Kann man damit wirklich Kohle machen?

Meine persönliche Erfahrung zeigt: ja, man kann mit Flattr durchaus Geld verdienen. Dazu habe ich – weil ich als freie Journalistin auch irgendwie monetären Dingen zwecks Lebenshaltungskosten und Luxusartikeln nachhänge – auch noch einen Artikel zum Thema „Flattr – Internet-Revolution per Micropayment?“ bei Suite101.de eingestellt.  Aber (war ja klar, dass das kommt, oder?), damit Flattr – oder andere Micropayment-Dienste wie zum Beispiel Kachingle – in Zukunft wirklich Geld einbringen braucht man:

a) Echt guten Content auf seiner Seite oder seinem Blog. Also gute freie Software, Bilder oder zum Beispiel geile Texte (Hier! Ab und an jedenfalls. Wirklich!), die den Lesern einen echten Mehrwert bieten. Ich habe ja die Hoffnung, dass irgendwann nicht nur meinungsbildende und fachlich interessante Artikel dazu gehören, sondern man so auch Literatur im Netz finanzieren kann. Stichwort: Kulturflatrate per Social Payment Service. Warum nicht berührende Prosa oder Lyrik, die das Herz mit einem flammenden Pfeil aus Worten trifft, flattrn? Sozusagen direktes Kultursponsoring vom Fan – nein Leute, stoßt jetzt bitte keine Diskussion darüber an, ob Kunst gefällig sein sollte oder nicht.

b) Man benötigt eine sehr viel größere Masse an Usern, die Dinge „belohnen“ wollen. Mal ganz ehrlich: Derzeit sind doch größtenteils technikbegeisterte Nerds und die so called „Internet-Elite“ bei Flattr unterwegs. Das zeigt sich auch an den meist geflattrten und eingestellten Inhalten. Erst wenn wirklich eine breite durchschnittliche Bevölkerungsschicht (Ich weigere mich an dieser Stelle  allerdings vehement vom Bildzeitungs-Leser zu sprechen, deren durchschnittlicher Intellekt mich immer wieder …erstaunt… ) auch hier vertreten ist und es als vollkommen normal ansieht freiwillig für freie Inhalte zu zahlen, ist das System wirklich erfolgreich. Aber da muss es erstmal hinkommen – ohne im Vorfeld totgeredet zu werden.

c) Man braucht viele Leser. Kleine und relativ unbekannte Laber-Blogs – wie zum Beispiel die Berlin Kolumne 😉 – dürfen zwar davon träumen mit Flattr den großen Reibach zu machen, das wars dann aber auch schon. So lange man aber nicht täglich hunderte bis tausende von Lesern hat, die alle brav bei einem Micropayment-Dienst wie Flattr oder Kachingle angemeldet sind und gerne auf bunte Bildchen klicken, wird es echt schwierig.

Micropayment/Flattr-Fazit

Ja, das waren jetzt gleich drei Dinge auf einmal… Flattr ist also eine (!) mögliche, mir recht sympathische Zukunftsperspektive. Vor Kritik und Gefahren bei Flattr sollte man dennoch nicht die Augen verschließen, in meinem zuletzt verlinkten Artikel spreche ich diese auch an. Wer sich noch ein wenig elitäres Rumgenörgel mit dem Touch von „Bäh. Ich bin was besonderes. Ich stelle mich gegen den Mainstream! Ha!“ geben möchte, für den hat der im Internet allgegenwärtige Sascha Lobo noch einige interessante Kritikpunkte zu Flattr zusammengestellt und macht klar, warum er keinesfalls diesen Mikrobezahldienst nutzen wird. Werbebanner sind ja auch viel toller (Und Werbung wird im Endeffekt ja auch gar nicht auf die Kunden umgelegt. Nein, nein.). Das Lesen der Kommentare lohnt sich in diesem Fall durchaus.

Nachtrag: Ganz vergessen – ich habe noch drei Flattr-Invites zu vergeben. Bei Interesse einfach melden.

 
Juli 10th, 2010 Netzwelt | No Comments
 
 

Für alle bibliophilen Freaks, Bücherwürmer, Analog-Nerds, Büchoholics und Lettern-Besessenen gibt es jetzt bei nantik im Crazy Culture Clap die ultimative Buchumfrage. Los, schwingt eure übermüdeten und feierabendwilligen Hintern in ihr Blog und lasst uns an euren literaturtechnischen Auswahlkriterien und Vorlieben teilhaben. Im Gegenzug dürft ihr dann auch mitdiskutieren, bekommt von mir ein virtuelles Fleißbienchen und könnt euch wahnsinnig progressiv und gebildet fühlen. 😉

 
Juni 22nd, 2010 Daily Gossip | No Comments
 
 

Am 04.06.2010 gegen 17.30 Uhr ist mein Großvater Fouad Arif in einem Krankenhaus in Sulaymania, Kurdistan (Irak) verstorben.  Soweit ich weiß, war er knapp 98 Jahre alt, 1912 geboren – noch im Osmanischen Reich. Seine Frau und viele seiner Kinder sind schon lange vor ihm gegangen. Ein langes Leben. Erfüllt? Ich hoffe es.

Vorausgegangen waren in den letzten zwei Wochen hektische Meldungen. Mit Mühe hat mein Vater innerhalb von zwei Tagen einen Flug nach Kurdistan bekommen und kam rechtzeitig, um sich zu verabschieden.

Habe ich das Recht zu trauern? Ja. Denn obwohl ich ihn nur wenige Male sah, war er doch der einzige Opa, den ich kannte. Er nahm Anteil an meinem Leben, gab Geschenke für mich mit, versuchte auf unbeholfene steife Altmänner-Art einer vergessenen Generation mit mir ein paar Brocken auf Englisch zu reden, während ich meist etwas verlegen, von meinem Vater ans Telefon gezwungen, zurück stammelte. Yes, yes I’m fine. Everything is OK.

Als ich heiratete, überraschte er mit einem großzügigen Geschenk. Für mich vollkommen unerwartet. Seine Art mir zu zeigen, dass er mich liebt. Mir das Gleiche mit auf den Weg geben will, wie den anderen Enkeln.

Aus den Geschichten weiß ich, er war geliebt aber er war wohl ein harter und strenger Mann, der Patriarch der Familie. Doch als wir 1986 über Baghdad aus der DDR flohen, krabbelte ich morgens in sein Bett und kuschelte mich einfach an meinen Opa. Kleine süße Enkelinnen mit großen Augen und dunklen Locken nehmen sich manchmal selbstverständlicher ihr Recht auf Liebe, als die eigenen Kinder das konnten.

Und ich nahm Anteil. Wenn ich als Kind abends im Bett lag und spät das Telefon noch klingelte, hieß das: Nachrichten aus dem Irak. Dem fernen Land. Lauschen mit Herzklopfen. Gieren nach Informationen, die durch die brüchigen Leitungen herübertropften. Meist keine guten. Zittern, wenn es hieß, dass er von Saddam Hussein zu einem Gespräch bestellt war und es gewagt hatte, sich zu widersetzen. Lauschend, wenn mein Vater mir Geschichten von damals erzählte, von dem großen Haushalt, der geführt wurde. Von den polierten Armeestiefeln. Dem Pferd, dass er ritt. Von dem König. Von der ersten Begegnung mit meiner Großmutter (von der ich, wie ich fürchte, eine große Portion Wesen geerbt habe). Oder von den Erziehungsmethoden für die Söhne.

Als Tochter bin ich nicht im Stammbaum der Familie eingetragen, der im Haus meines Großvaters hängt. Unser Zweig erlischt sozusagen offiziell, weil mein Vater keinen Sohn hat. Trotzdem bin ich wichtig. Und stolz auf meinen Namen, den ich nicht hergeben mochte. Bei unserer Heirat war mein Mann, der seinen Vater nicht kennt, so fortschrittlich und einfühlsam, meinen Namen als unseren gemeinsamen anzunehmen und ist so noch mehr Teil geworden von mir.

Warum ich über so etwas Persönliches schreibe? Ich will kein Mitleid. Ich will nicht bedauert werden. Wofür auch? Dafür, dass ich zufällig mit jemanden verwandt war, dessen Zeit zu Ende gegangen ist? Ich will mich nur ausdrücken. Mir vom Leib schreiben. Ich hatte keine Chance offiziell Abschied zu nehmen und keine Chance zu trauern. Ich bin nicht bei der großen Familie, die zusammen kommt und ihn auf die letzte Reise schickt. Ich konnte nur hier in Berlin sitzen, mit wachsender Verzweiflung versuchen anzurufen (ohne wirklich durchzukommen) und auf irgendwelche Meldungen warten.
Am Sonntag war die Beerdigung – der Livestream des Fernsehsenders Kurdistan tv brachte mir dann zumindest Bilder davon. Menschenauflauf. Männer in Trauer. Ein kurzer Blick auf meinen Vater. Einen Cousin. Blumen. Noch mehr Männer, die in meiner Sprache, die ich nicht sprechen kann, über sein wichtiges Leben reden. Bizarr. Traurig. Einsam.

Ja. Ich habe das Recht zu trauern. Und er hat ebenso ein verdammtes Anrecht darauf, dass ich um ihn weine.

 
Juni 7th, 2010 Allgemein | 2 Comments
 
 

Hebammen? Warum sollte man sich denn bitte darüber Gedanken machen? Ich persönlich habe mich – dank mangelnder Kinder – damit jedenfalls noch nicht weiter beschäftigt. Derzeit bin ich aber dazu gezwungen. Denn klar: Kinder möchte ich auch irgendwann haben. Und gedanklich-diffus bin ich zumindest immer irgendwie davon ausgegangen, dass ich dann vielleicht von einer Hebamme begleitet werde.
Momentan sieht es nur so aus, dass ich in einigen Jahren dazu wohl keine Chance mehr haben werde, denn der Berufszweig der Hebamme wird wohl ab diesem Jahr – wegen exorbitant steigender Versicherungen – nicht mehr lange weiterleben.

Was macht eine Hebamme eigentlich?

Hebammen – die Bezeichnung bedeutet laut Tante Wiki: althochdeutsch Hev(i)anna: „Ahnin/Großmutter, die das Neugeborene aufhebt/hält“. Eine, wie ich finde, wunderschöne Bezeichnung, die auch Sinnbild der Arbeit ist, die Hebammen leisten.  Der Berufsstand der Hebamme ist uralt und begleitet unsere Zivilisation schon immer – oder was denkt ihr, wie die Generationen vor uns das Licht der Welt erblickt haben? Sterile Operationssäle und gottgleiche  Weißkittel gab es vor ein paar Jahrhunderten noch nicht.

Hebammen begleiten die Schwangerschaft, die Geburt, betreuen die Wöchnerinnen und stehen auch beratend nach der Geburt zu Seite. Bei so einer wichtigen Lebensveränderung und Umstellung eine gewichtige Aufgabe. Viele Frauen (und bestimmt auch Männer) müssen erst lernen mit einer Schwangerschaft, bzw. einem Baby umzugehen, sich darauf einzustellen. Viele Sorgen, Fragen und Ängste tauchen auf – die Hebamme steht in der Regel (auch medizinisch!)  zur Seite, leistet Schwangerschaftsvorsorge, gibt Rat, sieht die Veränderungen und führt die Geburt durch.

Hebammen: E-Petition im Bundestag

Die Frage ist nur: wie lange noch? Wenn sich in naher  Zukunft nichts ändert, werden viele Frauen (und auch Männer) den Beruf der Hebamme aufgeben müssen. Soweit ich weiß, werden auch etliche Geburtshäuser dazu gezwungen sein, zu schließen. Hierzu ein kurzer Ausschnitt von der Seite der Initiative „Hebammen für Deutschland“, die eine Petition zur Soforthilfe im Bundestag eingereicht hat. Seit zwei Tagen kann man hier online mitzeichnen –  also meldet euch an (wenn ihr das nicht eh schon seid) und werft eure politische Stimme in die Waagschale. Greift euch eure Familienmitglieder und Freunde und gebt eure Stimme ab – schließlich geht es um uns und darum wie wir unsere Kinder bekommen. So fern das für manche auch noch in der Zukunft sein mag – irgendwann wird es vielleicht aktuell und dann hat man keine Wahl mehr, weil der jahrtausendealte Berufsstand der Hebamme dank bürokratischer Exzesse ausgestorben ist. Tiefgreifendere Informationen zur Problematik  sind auf der Homepage der Aktion zu finden.:

„Durch erhöhte Beiträge zur Haftpflichtversicherung der Hebammen wird Frauen die Möglichkeit genommen den Geburtsort ihres Kindes frei zu wählen oder sich für individuelle Hebammenunterstützung während der Geburt zu entscheiden!

Geburtshaus-, Hausgeburtshebammen wie auch Hebammen und GynäkologInnen, die Belegbetten in Geburtskliniken haben, sie alle sind in ihrer beruflichen Existenz gefährdet und können unter diesen neuen Vorrausetzungen Geburtshilfe nicht weiter anbieten.

Die Politik muss dringend tätig werden! Es gibt kaum Versicherer, die noch bereit sind, für Geburtshilfe zu haften. Unsere Berufsgruppe ist mit 4.500 freiberuflichen Hebammen zu klein, um weiter die Haftpflichtabsicherung für ca. 160.000 Geburten zu leisten. Das entspricht einem Viertel der Gesamtgeburtenzahl Deutschlands. Daher brauchen wir Ihre Unterstützung.

Seit 5. Mai läuft die Zeichnungsphase der E-Petition des DHV an den Deutschen Bundestag. Sie wird online unterzeichnet:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11400


 
Mai 7th, 2010 Gesetzgebung, Menschen, Politisch | No Comments
 
 

Interesse an ein wenig Horror-Enten-Teenie-Trash? 😉
Spannend wo man seine Nichte wiederfindet… Ich lasse euch mal an dem Kunstwerk teilhaben. Ratet welche meine ist: Schakkeline oder Schantalle? *grinst*

 
Mai 4th, 2010 Daily Gossip, Monster - Mumien - Mutationen | No Comments
 
 

Manchmal, manchmal da begegnen sich zwei Fremde, treffen für einen Augenblick aufeinander, bekennen ihre Geheimnisse, laden Schuld ab, verändern Leben und Ansichten, lösen sich plötzlich wieder, streben auseinander und berühren sich nie wieder.

Seit zwei Tagen verfolgt mich eine Begegnung im Wartezimmer. Eine Frau setzt sich neben mich, etwas älter als ich. Nett sieht sie aus, aber mein Magen zieht sich leicht zusammen. Mit irgendeiner Belanglosigkeit zieht sie mich in ein Gespräch, erwähnt ihre Schwangerschaft. Ich lege mein Buch beiseite. Dann, plötzlich, unerwartet, blickt sie mich an und erklärt mir, dass sie  gerade vom Frauenarzt kommt und hier ist um weitere Fragen abklären zu lassen. Ihr Baby ist seit sieben Wochen nicht gewachsen. „Das wird wohl nichts mehr.“, tropft von ihren Lippen. Sie blickt mich an. Blank. Die Worte purzeln zwischen uns zu Boden. Ich schlucke. Blicke ihr ins Gesicht. Sehe eine hauchdünne Schicht heiter-mechanischer Beherrschung, darunter einen dunklen Abgrund. Da sitzt eine Frau neben mir, mit einem toten Baby in ihrem Bauch und erzählt mir von ihren drei lebenden Kindern. Sie weiß es, aber begriffen hat sie es noch nicht. Ich verstehe, warum es aus ihr heraus bricht. Das es vielleicht leichter fällt, das Entsetzliche erstmal einer Wildfremden aufzubürden. Ich sehe, dass sie ein Stück Normalität braucht, die Fremde mit dem toten Kind in sich. Mein Lachen ist vielleicht ein wenig schrill, meine Stimme einen unbestimmten Hauch belegt, von den Tränen die mir hinter den Augen sitzen, aber ich wende mich ihr zu. Rede mit ihr. Schenke ihr etwas Zeit. Versuche einen Schmerz zu mildern, den man nicht erleichtern kann, der noch nicht mal angefangen hat zu brennen.  Bis ich gerufen werde und weg bin, die Wege wieder getrennt sind.

Nachts wälze ich mich durch mein Bett, traumschwer verfolgt von ungeborenen Kindern. Und im Morgengrauen frage ich mich, wieviele Millionen auf diesem Planeten heute einen ähnlichen Weg gegangen sind.

 
April 28th, 2010 Alltag, Menschen | No Comments