Willkommen im 21. Jahrhundert. Falls ihr schon länger als nur fünf Minuten wach seid und schon mit irgendwelchen Medien konfrontiert wurdet, werden meine verehrten Leserinnen und Leser bestimmt mitbekommen haben, dass Polens Präsident Lech Kaczynski sich samt Gattin und 87-köpfiger Delegation mit seiner Tupolev im russischen Smolensk in den Boden gebohrt hat.

Unabhängig davon, was ich von der Politik des Kaczynskis halte, ist das tragisch. Der Tod keines Menschen ist schön, egal wie er im Leben war und was er verbrochen hat – sonst wäre ich ja eine fröhliche Befürworterin der Todesstrafe. Leben ist wertvoll, jemand hat diese Menschen geliebt, mit ihnen gelacht und sie werden sicherlich einen großen leeren Platz hinterlassen.

Medialer Umgang mit dem Tod des polnischen Präsidenten

Aber ich bin nicht für Trauerarbeit hier. Als ich eben – zugegebener Maßen noch halb im Tiefschlaf – auf der Suche nach Nachrichten durch die Kanäle zappte und bei N24 landete, traf mich der Anblick der auf Schleife laufenden Bilder irgendwie unvorbereitet. Nicht das es besonders entsetzlich wäre…  Bäume, Matsch und verbogenes Metall. Aber die Maschine ist um 8.50 Uhr MESZ verunglückt. Gerade mal zwei Stunden später werden mir hier in Europa Bilder von hektisch umherrennenden russischen Feuerwehrmännern und die Absturzstelle in Nahaufnahme gezeigt. Dort sieht man Rauch, da einige Fetzen in den Bäumen, irgendwelche Menschen stolpern umher, Feuerwehrmänner versuchen Flammen im auseinandergebrochenen Flugzeug zu löschen, Wrackteile sind zu sehen. Die Kamera zoomt näher an Einzelteile heran, irgendwas unangenehm rötliches ist zu sehen, nicht genau erkennbar was, aber das Gehirn spielte eine Sekunden lang einen entsetzlichen Streich und mir wird schlagartig in meiner Nachrichten- und Mediengeilheit bewusst: da liegen Menschen. Oder besser gesagt: Irgendwo in diesem immensen grauen Matschhaufen liegen jetzt menschliche Versatzstücke. Puzzelteile. Auch wenn das nicht erkennbar ist, die Leichenteile der Opfer werden die innerhalb von zwei Stunden wohl kaum da rausgefummelt haben. Ich habe – allen Göttern sei Dank – noch nicht so viele Flugzeugabstürze und deren Berichterstattung mitbekommen, aber sind diese Bilder normal? Mir dreht sich sanft der Magen um und aus meinem Mund blubbert es nur leise „Aber das können die doch nicht zeigen!“ – Doch können sie. Wenn es blutet – halt drauf. Das bringt Quote. Das wollen die Zuschauer sehen. Und du gehörst dazu. Würg.

Gerahmt wird das ganze von heruntergeblubberten inhaltsleeren Nachrufen und dem Telefonbericht eines Reporters, der die tiefe Männerverbindung Lech Kaczynskis zu Guido Westerwelle beim Kaffeetrinken analysiert. Ja danke auch… Ich geh dann mal kotzen.

 
April 10th, 2010 Allgemein | 7 Comments
 
 

Eben kam ein Hilferuf über die Mailinglisten. Solltet ihr also in NRW wohnen oder Leute dort kennen, bitte mobilisiert die. Das System sorgt leider dafür, dass kleine und neue Parteien es nicht gerade leicht haben zur Wahl zugelassen zu werden.

„SOS!

Es kam gerade folgender Notruf über die Vorständeliste :

Den Piraten in NRW fehlen 4 Tage vor Schluss
noch 350 Unterstützungsunterschriften, um einigermaßen sicher
zur Landtagswahl zugelassen zu werden.

Die Piraten in NRW schaffen es nicht alleine diese
Unterstützungsunterschriften zu erhalten.

Jeder von Euch kennt jemanden der in Nordrhein-Westfalen wohnt:
Einen Verwandten, Bekannte, einen Studienkollegen, einen Ex-Freund
einen Schulkameraden von früher, eine alte Urlaubsbekanntschaft.

Bitte ruft diese an, mailt diese an und bittet Sie ganz herzlich

1.) Formular auszufüllen ( zu finden unter
http://wiki.piratenpartei.de/images/9/9e/Unterst%C3%BCtzungsformular_Landtagswahl_2010.pdf )

2.) damit im Original zum Einwohnermeldeamt zu gehen und sich dies
bestätigen zu lassen und es

3.) an Piratenpartei Deutschland, Landesverband Nordrhein-Westfalen,
Postfach 103041, 44030 Dortmund senden

4.) Sendet eine sinngemäße Mail bitte über Eure Landeslisten.

Die Zeit ist knapp.
Der Weg kompliziert.
4 Tage.
Es geht um alles.“

 
März 19th, 2010 Allgemein | No Comments
 
 

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser  (ja, das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen ;-)) meines Blogs.

Ich habe heute Abend eine Mail von Lena „Leena“ Simon erhalten.  Sie spricht mich darin auf meinen Blogbeitrag über die LMVB und besonders auf nachfolgendes Zitat an:

„Ich empfand es auch mehr als nur ein bisschen strange, dass die Initiatorin zwar auf der LMVB auftauchte, da scheinbar hübsch in die Kameras lächelte und wohl Interviews gab, aber Gespräche mit anderen Piraten und explizit auch mit verwirrten Piratinnen, für die sie ja medienwirksam streitet, offen ablehnte.“

Ihrer Empfindung nach ist dies eine „Lüge“ und sie bittet mich deswegen um Korrektur. Deswegen jetzt dieser Beitrag von mir – ich versuche ihre Beschreibung möglichst korrekt wiederzugeben. Ihre Mail ohne Erlaubnis zu zitieren fände ich etwas unhöflich. Lena schreibt mir, dass sie gesprächsbereit war, mit vielen gesprochen hat und selbst verwundert war, nicht von Kritikerinnen und Kritikern angesprochen worden zu sein. Sie erinnert sich an einen einzelnen Vorfall, wo sie darauf verwiesen hat, dass sie jetzt zu ihrem kranken Hund an ihrem Sitzplatz wolle und dort gerne bereit für weitere Diskussionen sei.  Andere Darstellungen des Geschehens empfindet sie als Unterstellung, meinen Beitrag als falsches Streuen von Informationen.

Soviel dazu. Nach dieser Mail habe ich mir erstmal einen Tee gekocht und dann die Piratin angerufen, die mir auf der LMVB von ihrem Erlebnis berichtet hatte, um die Situation nochmal zu verifizieren. Diese Frau ist eine langjährige gute Freundin von mir, mit der ich auf der LMVB viel über Leena und die Piratinnen gesprochen habe. Sie war und ist – als Frau und Pirat – ziemlich betroffen durch Vorfälle und Vorgehen bei der ganzen Piratinnen-Mailingslisten-Pressemeldungs-Sache. Ich habe sie in all den Jahren immer als grundehrlichen Menschen erlebt und keinerlei Grund an ihrer Darstellung zu Zweifeln. Sie ging zu Lena hin, bat um ein klärendes Gespräch zum Thema „Piratinnen“, woraufhin eine ablehnende Reaktion erfolgte.

Ich lasse  jetzt mal der Fairness halber beide Aussagen einfach so stehen. Mögen die, die hier zufällig vorbei irren, ihren Nutzen daraus ziehen und sich selbst ein Urteil bilden. Ich hoffe ich konnte die ganze Situation ohne Polemik oder zu große persönlicher Wertung darstellen. Sorry, falls mir das nicht ganz gelungen sein sollte – ich versuche nur ein weiteres Schlachtfeld, das bestimmt sehr leicht in nen Kindergartenkrieg ausgleiten kann, zu vermeiden.

Liebe Grüße

Shermin

 
März 9th, 2010 Allgemein | 2 Comments
 
 

Liebe Frauen auf der Welt, ich habe euch etwas mitgebracht: einen großen Strauß virtueller roter Nelken.

Heute jährt sich der, unter starker Initiative von Clara Zetkin ins Leben gerufene, Tag „für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden“ in seiner Gründung zum 100. Mal. Aber Tante Wiki kann das historisch bestimmt besser erklären als ich. Das Goethe Institut veranstaltet anlässlich dieses Jubiläums heute eine Konferenz in Kopenhagen und lädt zu einer Retrospektive ein.

Weltfrauentag? Wozu?

Als Kind konnte ich mit dem Frauentag eher wenig anfangen. Was soll ich feiern? Mich selbst? Meine Gebärmutter? Mein Blut? Das undefinierbare „Weiblichsein“? Auch das Wortungetüm „Frauenrechte“ entzog sich mir früher. Ich war sicher eingebettet in meiner Familie, fühlte mich nie diskriminiert, durfte immer das tun was ich wollte – oder empfand es zumindest so.  Ich wusste nichts von Misshandlung, Beschneidung, Gewalt, Mutlosigkeit, Ungleichheit, gesellschaftlicher Gefangenschaft, zweierlei Maß.

Unvorstellbar war es für mich, dass Frauen jemals nicht frei wählen durften, dass sie unter einer Oberherrschaft standen, ihrem gesetzlichen Vormund Rechenschaft ablegen mussten, nicht arbeiten durften, dass sie einfach nicht zählten, allenfalls einen Wert als Gebärmaschine oder hinter Glas gesetzte, mit Wohlwollen betrachtete, überzüchtete Blume hatten, und doch so viel leisteten.

Heute – und auch nachdem ich eine kampffeministische Phase in meiner Pubertät hinter mir habe 😉 – sehe ich etwas klarer und die brüchige Verbindung zu diesem Tag ist etwas fester. Feiern…? Nunja. Eher Erinnerung. Mahnung. Wachrütteln. Erweisen von Respekt und Achtung. Erhalten ebendieser. Öffnen von Augen. Den brennenden Blick zielgerichtet auf die Fehler und Ungerechtigkeiten dieser Welt lenken. Absichtlich den Finger in die Wunde legen, sehnden Auges und streitbar noch etwas Salz hineinreiben, damit kein trügerischer Frieden darüber wuchern kann.

Vergessen sollte man dabei allerdings auch nicht, dass vieles von dem, was mir heute an veralteten Ansichten, über das, was Frauen tun oder wie sie sein sollten, entgegenschallt, tatsächlich von anderen Frauen entgegengebracht wird. Und ich habe dabei gelernt: auch kultureller Fortschritt kann sich zum Zwang auswachsen und die persönliche Entfaltung beschneiden.

Ich bin dankbar, dass es vor mir Frauen gab, die für unsere Rechte gestritten haben. Ich will euch sagen, dass ich euch sehe. Ebenso wie diejenigen, die auch heute noch – auf den unterschiedlichsten Schauplätzen – kämpfen. Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die mir als Mädchen hier geboten wurden. Und so sehr ich die Kultur meines Vaters schätze, ihn liebe und wahrscheinlich auch dort die Chance bekommen hätte zu studieren – ich bin verdammt dankbar, dass ich nicht im Irak meinen bisherigen Lebensweg zu gehen hatte. Danke, dass ich es als selbstverständlich ansehen darf frei zu wählen und zu tun was ich will.

Eine Frau

 
März 8th, 2010 Alltag, Menschen | 1 Comment
 
 

Vorsicht! Es folgt mal wieder Piraten-Content. 🙂 Letztes Wochenende war ja die LMVB. Wem das nichts sagt, hier die Aufschlüsselung: die Landesmitgliederversammlung der Piratenpartei Deutschland Berlin, die am 27. und 28.02.2010 im Meistersaal am Potsdamer Platz statt fand. Ehrlichgesagt habe ich in meinem bisherigen Leben zwar schon öfters politische Diskussionen geführt (das bleibt mit dem Nebenfach  Sozialwissenschaft/Politik/Soziologie im Studium ja nicht so ganz aus..), mich ansatzweise für die Politik und die Zukunft unseres Landes interessiert, aber nie gedacht, dass ich mal wirklich freiwillig Mitglied einer Partei sein würde.  Ein wenig ist es so, als wenn man vorher zu Sprachlosigkeit verdammt war und plötzlich das Heft eines äußerst scharfen Schwerts in die Hand gedrückt bekommt. Wen es interessiert, für den ist hier das Protokoll der Sitzung.

Copyright Cbmd

Am Samstag konnte ich leider nicht teilnehmen (dafür war mein Liebster dort und hat über Tag 1 und Tag 2 geblogt), am Sonntag glänzte ich dann aber mit meiner edlen Anwesenheit. Mein Tag begann irgendwann gegen 6.30 Uhr mit Magenkrämpfen und der  Innensansicht der Porzellanschüssel. Knapp haben wir es dann noch zur Akkreditierung geschafft, so dass ich sehr fasziniert an diesem Stück Basisdemokratie teilnehmen konnte. Geheime Abstimmungen, Liquid Feedback, formelle Gegenrede, offene Abstimmungen, leckere Brote der AG Schnittchen und jede Menge interessante Leute sind mir begegnet. Und eines habe ich gelernt: demokratische Prozesse benötigen jede Menge Aufmerksamkeit und Zeit. Ich habe ja sowas zum ersten Mal mitgemacht, war aber wirklich positiv überrascht über die Organisation, Professionalität und vor allem Andersartigkeit. (Mein Strickzeug habe ich mir aber dennoch verkniffen mitzunehmen. Das wäre für anwesende Pressevertreter wahrscheinlich ne zu große Reminiszens an die Grünen gewesen. *grinst*) Zwischendrin gings mir nicht ganz so gut und ich habe es noch geschafft mein Beinkleid mit heißem Magentee zu begießen. Das folgende Bild, auf dem mich Cbmd, der Haus- und Hoffotograf der Piraten, abgeschossen hat, und wo ich aussehe wie etwas das halb vorverdaut und wieder ausgespuckt wurde, ist dem geschuldet. Nein, ich bin nicht die nette Dame links außen, sondern die etwas matschig vor sich hin schielende Person in der Mitte. Nehmt es dennoch als Beweisfoto für meine Teilnahme an diesem historischen Tag.

Copyright Cbmd

Die Gründung der Piratinnen

Noch etwas ist untrennbar mit diesem Parteitag verbunden: die Gründung einer Mailingliste nur für Piratinnen. Für Außenstehende: Piratinnen gab es bisher nicht. Zwar gibt es natürlich bei den Piraten auch Frauen (bin ja bestes Beispiel), da man aber von  einer absoluten Gleichberechtigung ausgeht, war es bisher Konsens, dass man dafür kein eigenes Wort nutzt. Sondern allenfalls (die leicht nervige) Langversion „weibliche Piraten“.

Pünktlich zur LMVB – und natürlich dadurch auch sehr pressewirksam – hat Lena Simon nun die Piratinnen, eine Gruppierung innerhalb der Piratenpartei, mit einer eigenen Wikiseite und einer Mailingliste, ins Leben gerufen, um einen Schutzraum für in den Hintergrund gedrängte Frauen in der Partei zu schaffen.  Und als Zugabe hat sie gleich noch unauthorisiert und eigenmächtig eine Pressemitteilung dazu raus gegeben, die einen gewissen Schatten auf das vergangene Wochenende warf.

Mal ehrlich – ich gehöre zu den Frauen, die sehr gerne Piratinnen sagen/schreiben/denken würden. Ich finde es ist ein Recht, das Frauen lange verwehrt war und das gerechtfertigt ist, genutzt zu werden. Ich verstehe allerdings auch die Argumentation der Partei, ich gehe mit ihr zum Wohl der anderen konform. Mir sträuben sich allerdings bei all zu dogmatischer Bezeichnungswut die Nackenhaare und ich mag einfach selbst wählen dürfen welches Wort ich nun nutze. Ein Ausdruck ebendieser Freiheit ist ja auch meine Mitgliedschaft in der Piratenpartei.

Genderdiskussion: Pirat? Piratinnen? Pirataußen? Piratunten?

Jetzt kommt aber mein großes „aber“. Aber: der Zweck heiligt nicht die Mittel, nein, tut er einfach nicht. Denn der erstellte Schutzraum treibt erste seltsame Blüten, wie diese Piratin inzwischen feststellen durfte. Ich empfand es auch mehr als nur ein bisschen strange, dass die Initiatorin zwar auf der LMVB auftauchte, da scheinbar hübsch in die Kameras lächelte und wohl Interviews gab, aber Gespräche mit anderen Piraten und explizit auch mit verwirrten Piratinnen, für die sie ja medienwirksam streitet, offen ablehnte. Das am Wochenende auf der Mailingliste auch schon das Misstrauen so hoch kochte, dass man eine Liste in der Liste gründen wollte, wo nur echte, durch Frauen zertifizierte Frauen, reinkämen – quasi ein geheimer Super-Geheimclub – ist nicht mehr nur obskur, sondern einfach nur noch gaga zu nennen. Und mir fehlt es langsam einfach am Verständnis für diese Aktion. Also Piratinnen – gerne, ja doch. Aber muss das so sein? Indem ich meiner Partei schade und sämtliche Leute egozentrisch vor den Kopf stoße?

Das Thema brodelt vor sich hin, andere Landesverbände distanzieren sich schon irritiert und es hat einfach einen unguten Beigeschmack. Die Gefahr, dass feministische Frauenverbände – die meiner Meinung nach eine hohe Daseinsberechtigung besitzen – diese Aktion und die Empörung darauf in den falschen Hals bekommen und uns als frauenfeindlich hinstellen, ist einfach groß. Wir wissen alle, wie schnell so eine Hexenjagd iniziiert ist.

Ich fühle mich als Wesen mit Eierstöcken in der Piratenpartei wohl. Wenn ich nicht nach vorne zum Rednerpult dränge, dann nicht deswegen, weil mich ein böser, böser selbstherrlicher Mann mit seinem Testosteron zur Seite drängt und ich mich nicht geschützt fühle, sondern weil ich a) gerade nichts wirklich geistreiches zu sagen habe b) ich vielleicht zu unsicher bin und/oder c) Panik vor den ganzen Leuten habe. Und ich bin mir verdammt sicher, dass es einem Großteil der Schwanzträger da draußen garantiert genauso geht und das nichts gebärmutterspezifisches ist oder mit meinem weiblichen Hormonspiegel zu tun hat.

Und hey – vielleicht ist es einigen ja nicht aufgefallen, aber obwohl wir so wenige sind, sind drei Frauen gerade letztes Wochenende in den berliner Vorstand gewählt worden. Sonderlich unterdrückt wirkten die jetzt nicht. Vielleicht wäre ein geschlechtsunabhängiger Schutzraum für Menschen, die sich zurückgesetzt und ungehört fühlen, die richtige Antwort auf die derzeitige Problematik.

Ein Gutes hat die niedrige Frauenquote der Piratenpartei: endlich mal kein Gedränge auf dem Frauenklo. 😉

 
März 5th, 2010 Berlin speziell, Politisch | 13 Comments
 
 

Nur kleines, alltägliches Gefasel gegen Ende der Woche. Wir sehen – so richtig hübsch spießbürgerlich – gerne mal am Sonntag Abend einen Krimi. Allerdings keinen Tatort, sondern „Inspector Barnaby“ im Original „Midsomer Murders“. Diesmal starb ein nervtötender Koch einen spontanen und äußerst dekorativen Tod in einem riesigen Topf Gazpacho. Wer nicht weiß was das ist:  bei Gazpacho handelt es sich um eine spanische Spezialität. Quasi eine Sommersuppe. Frische Tomate, Paprika, Gurke, Brot und anderes leckeres Gezeugs werden püriert, nicht (!) gekocht und dann serviert. Geht natürlich nicht mit unseren holländischen Wassererzeugnissen.

Jedenfalls verfolgt mich seitdem dauernd der Gedanke: Was hat der fiktive Tote wohl in der letzten Sekunde gedacht, bevor die Lichter endgültig ausgingen? Mir spukt – frei nach Goethe – ständig dieser Satz im Kopf herum: „Arghhhhgurgel… Salz! Mehr Salz!“ (Ok, ist ja gut… ich geh dann mal nen Kaffee kochen und echte Gehirnzellen anwerfen. *hüstel*)

 
Februar 25th, 2010 Allgemein | No Comments
 
 

Meine süßen kleinen Adventsengelchen und Mitleser, ich wünsche euch einen wundervollen Nikolaus und zweite Adventssonntag. 🙂

Foto: © Jonathan Göpfert / PIXELIO

Foto: © Jonathan Göpfert / PIXELIO

Meinereiner wurde heute schon beim virtuellen Lesen der Sonntagszeitung erheitert. Amüsiert verschluckte ich mich äußerst undamenhaft beinahe an meinem Darjeeling, als ich in der MoPo (Ja, ja, ich weiß, nicht sehr elitär, sondern springerhaft. Schande, Schande, Schande über mich..) las, dass die Berliner S-Bahn mal wieder Probleme hat.
Ich war ja total entsetzt, schockiert sozusagen – meine geliebte S-Bahn und Probleme?!? Na sowas! Sowas gab es ja noch nie! Quasi voll-koooomm-eeen überrumpelt war ich von dieser Sachlage. Wo die S-Bahn-Züge im Winter doch immer so wahnsinnig unproblematisch funktionieren.

Die arme, missverstandene Deutsche Bahn

Genauso geht es den Leuten bei der DB, die jetzt vom bösen, bösen S-Bahn-Betriebsrat ganz garstig angeranzt werden. Tsss… Jetzt sind die Funktionäre bei der Deutschen Bahn, die für die ganzen Sparmaßnahmen zuständig sind wie zum Beispiel Heizungen in S-Bahn-Weichen ausbauen, Heizungen in S-Bahn-Weichen komplett von der Wartungsliste streichen oder spezielles supertolles Schienenfett mit Billigzeugs strecken wie im 2. Weltkrieg, totaaaal überrascht und überrumpelt. Und vor allem, das ist ja alles gar nicht passiert, das halluzinieren die S-Bahner, die tagtäglich draußen auf den Schienen sind, ja alles nur und schieben es der DB nur böse in die Schuhe. Um es in der Sprache meiner ruhrpöttischen Sozialisation zu sagen: Ja nee, is klar.

Berliner S-Bahn en flambé

Ich bin gerade ganz froh, dass ich krankheitsbedingt in meinem Nest hocke und nicht via S-Bahn von Friedrichshain nach Schöneberg in die Redaktion pendeln muss. Ich bleibe hübsch hier in meinem Elfenbeinturm und betrachte aus der Ferne, wie zusätzlich zu den gefrosteten Schienen abwechselnd entweder die Fahrzeugtechnik einfriert, Türen sich nicht öffnen lassen, offen festfrieren oder S-Bahn-Wagons während der Fahrt (und voll besetzt) dann doch wieder die Türen öffnen und wie einer der „Toaster“ (so nennt man wohl eine umlackierte DDR-S-Bahn-Baureihe) mal wieder hübsch in Flammen aufgeht und mit seinem Feuerschein die auf den Bahnsteigen wartenden Horden angenehm wärmt.

Nen schönen Tag euch noch, ich hoffe ihr müsst nicht raus,

Shermin

 
Dezember 6th, 2009 Berlin speziell | No Comments
 
 

Seit 1988 gibt es am 1. Dezember den Welt-AIDS-Tag mit zahlreichen Aktionen.  Ins Leben gerufen wurde er von UNAIDS einer Organisation der Vereinten Nationen, die sich den Kampf gegen diese Immunschwächekrankheit auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Rote Schleife

Obwohl seit Jahrzehnten Aufklärunggsarbeit betrieben wird, ist AIDS leider immer noch kein Thema von Gestern. Erkrankte Menschen haben auch heute noch mit großen Vorurteilen zu kämpfen und die Zahl der Neuerkrankungen ist immernoch erschreckend. Viele Menschen halten sich für irrational immun und meinen, dass AIDS-Vorsorge für sie nicht nötig ist. In den westlichen Ländern grassiert der Virus also trotz Aufklärung, wegen der Ignoranz die wir ihm entgegen bringen. Wenigstens werden Kranke hier mit Medikamenten versorgt. In afrikanischen Ländern, wo ganze Familien von AIDS hinweggerafft werden und Medikamente Mangelware sind, schreiben die erkrankten Eltern inzwischen „Memory Books“, damit die zukünftigen AIDS-Waisen nach deren Tod zumindest eine einzige greifbare Erinnerung haben.

Spenden gegen AIDS

AIDS ist heimtückisch und schwindet gerne aus unserem Bewusstsein – uns betrifft es ja scheinbar nicht, oder? Ich trage heute meine AIDS-Schleife, denn AIDS darf nicht vergessen werden. Wer spenden möchte, hat vielfältige Möglichkeiten, die Arbeit gegen die Immunschwächekrankheit zu unterstüzen. Gespendet werden kann per SMS, per Online-Überweisung oder per Einzugsermächtigung. Auch kleine Beträge helfen weiter.

Verschließt nicht die Augen, macht mit!

 
Dezember 1st, 2009 Menschen | No Comments
 
 

Derzeit ist es hier – krankheitsbedingt – leider ein wenig sehr ruhig. Zum Mauerfall mag ich dennoch kurz mein Mäulchen aufreißen, auch wenn ich nicht wirklich was dazu zu sagen habe. Ich war zarte zehn Jahre alt als sie fiel. Dumpf erinnere ich mich, dass meine Mutter heulte und tagelang aufgeregt war. Mein geliebter Gemahl war immerhin schon 19 und diente gerade bei der Volksarmee. Und ich habe – entgegen der anderslautenden Fernsehsprüche – gar keine Ahnung wo ich damals war. Ich schätze sehr wahrscheinlich tief schlafend in meinem grässlichen Jugendbett,  die Wange glücklich an meinen Kuschelhasen gedrückt.

Mauer_Dieter-Schütz

Und nun sitze ich hier heute Abend auf meinem Sofa, Standort ehemaliges Ostberlin, ich größtenteils sozialisiert im Westen und verliebt in eine ehemals tiefrote Socke. Deutschland und Berlin feiert und ich denke mir: es ist schon echt seltsam, welche Wendungen die Geschichte nimmt. Im Grunde ist es doch wirklich ein Treppenwitz der Geschichte – gewürzt mit einer immensen Portion Glück. Da nuschelt ein Herr Schabowski verkrampft ins Fernsehmikrofon und daraufhin stürmen tausende Bürger friedlich die Mauer – und die  seit Jahrzehnten auf Feindbild und Schießbefehl getrimmten Soldaten lassen sie passieren.  Wenn es nicht so passiert wäre, würde das wohl kaum einer glauben. Hätte ich mir diese Story für einen Roman ausgedacht, hätten die Kritiker mich wohl in Grund und Boden gestampft.

Ich hab die Stimmung als Kind ja nur mit halbem Ohr mitbekommen. Klar, da passierte „was“, meine Eltern, meine große Schwester & meine Oma – wir waren nur drei Jahre früher aus Leipzig via Irak nach Westdeutschland geflohen (ich sollte endlich einen Roman darüber schreiben… ) – waren total aus dem Häuschen. Aus den Erzählungen später habe ich aber eines gelernt: wir haben ein so dermaßen verdammt großes Glück gehabt, das wir das vielleicht gar nicht richtig fassen können. Mal abgesehen von der Frage ob die Wiedervereinigung von Ost und West nun wirklich gut war, es gab so dermaßen viele menschliche Faktoren die einfach hätten schief gehen können. Mein Mann saß während dieser Zeit in einem Munitionslager im Erzgebirge fest und hatte Ausgangssperre – zusammen mit ein paar hundert anderen hormon- und Propagandainduzierten Jungsoldaten. Die Offiziere machten rasch die Fliege und die Gerüchteküche über Angriffe des Klassenfeindes brodelten hoch. Viele waren damals darauf getrimmt und bereit ihr Vaterland mit der Waffe zur verteidigen. Pures Glück – anders kann man es nicht nennen – das nicht jemand vom Lagerkoller befallen zum MG griff und die Landesverteidigung probte. Absolutes Glück, dass bei den Grenzsoldaten in Berlin an diesem speziellen Tag keiner dabei war, der mies drauf war und deswegen den Schießbefehl verwirklichte.

Vielleicht sollten wir uns das Glück, das wir hatten, ab und an nochmal herauskramen und uns vor Augen halten, wenn wir drohen in platte Stammtischparolen zu verfallen und uns Altes herbei wünschen.

Die Euphorie von damals hat vielleicht etwas Moos angesetzt. Manchmal ist man auf seine Mitmenschen etwas gnatzig. Aber vielleicht ist das auch gut so. Die neue Generation hat vielleicht nicht diesen absolut überwältigenden Freudentaumel erlebt, dessen Schatten in manchen Fernsehbildern noch hochkocht. Sie sieht keinen fetten Spalt zwischen Ost und West mehr, im Gegensatz zu uns Alten, die ganz gerne mal hämisch was von „Duuu Osssiiiii!!!!“ oder „Vom Wessi lernen, heißt siegen lernen!“ krähen.

Mein Dank allen möglichen zuständigen Göttern, den meist gehässig grinsenden Schicksalsnornen (die sich ausnahmsweise mal beherrschten) und vor allem den Menschen. Ich denke an die Menschen die durch die Geschichte unseres Landes gebrochen wurden und an alle die Leben die mit der Wende eine ebensolche erfuhren. Auch wenn das Leben an sich nicht immer einfach ist – wir hätten es wirklich schlechter treffen können… 😉

Reichskristallnacht

Noch eine wichtige Erinnungern – heute vor 71 Jahren gab es deutschlandweit Pogrome (Ja, das Wort heißt tatsächlich „Pogrom“ und nicht „PROgrom“ – auch wenn die Berichterstattung von RTL uns das weiß machen will.)  – unter der hübsch-glitzernden Vokabel „Reichskristallnacht“ in unseren Geschichtsbüchern bekannt geworden. Ungezählte Menschen wurden von ehemaligen Nachbarn und Freunden aus ihren sicheren Betten gerissen, in Konzentrationslager verschleppt, Geschäfte und Wohnungen verwüstet und geplündert, circa 400 ermordet.  Tante Wiki hat dazu einen ausführlichen Artikel: Reichspogromnacht.

 
November 9th, 2009 Berlin speziell, Menschen, Politisch | No Comments
 
 

Bin noch mitten im Wahlkater – Volk, ihr habt wirklich den Guido gewählt? Aus Protest?!? Ich steh im Wald, aber ehrlich…
Um dieses schwerwiegende Trauma zu verarbeiten haben wir uns erstmal ne Woche nach Prag abgesetzt. Kulturelles Gegenprogramm sozusagen.

Und da ich ja ein Kind des Web2.0 bin und unter vermehrtem Mitteilungsbedürfnis leide, kann man darüber natürlich auch einiges lesen. Mein Gemahl und ich wechseln uns da blogtechnisch ab. Grast einfach den magischen Kessel oder Kai`s Kram regelmäßig ab, oder abonniert uns einfach via Feedreader. Solltet ihr ja sowieso zun. Ab und an zwitschern wir auch.

 
Oktober 4th, 2009 Alltag, Monster - Mumien - Mutationen, Politisch | No Comments