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Ich neige langsam zu Verschwörungstheorien. Die netten Herren von der Post/Hermes/DPD/passenderVersandservicehierbitteeinsetzen klingeln immer, aber wirklich immer dann, wenn ich gerade a) unter der Dusche stehe oder b) in Unterwäsche durch die Wohnung hetze.

So auch heute – gerade gereinigt der Dusche entstiegen, wickle ich meine Haare in ein Handtuch und poliere meine Brille. Es klingelt. Natürlich. Warum ich wirklich in Erwägung zog zur Tür zu gehen? Weil mein Mann in der Außenwelt Nahrungsmittel fürs Wochenende jagen war und dazu neigt seinen Schlüssel zu vergessen.

Resigniert wickelte ich also meinen göttinnengleichen Körper in den Satin-Fetzen, aka einzig auffindbarer Morgenmantel in Greifweite, und stürmte gen Wohnungstür und Gegensprechanlage.

Natürlich war es nicht mein Mann, sondern ein verwirrter Postbote. Und natürlich quäkte er wie ein verlorenes kleines Schaf (das ist Masche bei denen!), ob ich zuuufällig auch noch was für andere Leute im Haus annehmen kann. Der ewige Fluch von Freiberuflern die Parterre wohnen.

Naja, denke ich mir, das geht ja rasch, sind schon keine Nachbarn im Innenhof unterwegs. Öffne die Türe und pralle samt Handtuchturban fast gegen eine ungeliebte Nachbarin, die gerade die Treppe  entert. Sanft grummle ich vor mich hin und linse weiter aus der Tür – kein Postbote in Sicht. Dafür aber eine Versammlung meiner Mitmieter im Innenhof, die mich sofort erspähen und mir freundlich zuwinken. Wie. Schön.

Die nächste Nachbarin kommt herein und amüsiert sich erstmal grinsend: „Falscha Zeitpunkt, wa?“ Überlege ob ich sie dazu überreden soll den Postboten, der sich scheinbar im Vorderhaus verirrt hat, eizufangen. Jetzt gesellt sich auch noch die Familie aus dem dritten Stock hinzu – Mann, Frau und zwei Kinder, ich lächle krampfhaft vor mich hin, frage mich wie weit wohl der Saum des Morgenmantels reicht und fühle mich-… exponiert. Wie aussieht haben sie unterwegs den Postmenschen getroffen und sind jetzt gutgelaunt zu Debatten über Paketgrößen aufgelegt. Im Hintergrund kriecht zu meiner Erleichterung langsam der Paketsklave Paketbote näher – samt einer gut gefüllten Sackkarre.

Die Nachbarn tummeln sich endlich (wahrscheinlich ist mein Nixen-Aufzug für den Rest des Tages Gesprächsthema) und der Herr von der Post erscheint mit Dackelblick. Ihm ist scheinbar gerade sehr nach Kommunikation (vielleicht will er sich auch nur meinen Anblick im chinesischem Satin-Morgenmantel  und himmelblauen Handtuch länger gönnen.), er ändert ungefährt dreimal die Zusammenstellung der Pakete auf seinem elektronischen Spielzeug und berichtet mir wann diese Woche welche Nachbarn da waren und welche Paketgrößen sie wann, wo und wie erhielten. Wasser rinnt mir in den Nacken. Unterdrücke das Bedürfnis kreischend die Türe zuzuschmeißen, während der Mann freundlich vor sich hin quasselt und mir die monströsen Pakete in die Wohnung schleppt, da ich mich weigere mich in dem zum Aufklaffen neigenden Fetzen nach den Dingern zu bücken.

Dann ist es geschafft. Endlich. Bis zum nächsten Tag mit Postzustellung.

 
August 29th, 2009 Daily Gossip | 1 Comment