Posts Tagged ‘ Piratinnen ’

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser  (ja, das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen ;-)) meines Blogs.

Ich habe heute Abend eine Mail von Lena „Leena“ Simon erhalten.  Sie spricht mich darin auf meinen Blogbeitrag über die LMVB und besonders auf nachfolgendes Zitat an:

„Ich empfand es auch mehr als nur ein bisschen strange, dass die Initiatorin zwar auf der LMVB auftauchte, da scheinbar hübsch in die Kameras lächelte und wohl Interviews gab, aber Gespräche mit anderen Piraten und explizit auch mit verwirrten Piratinnen, für die sie ja medienwirksam streitet, offen ablehnte.“

Ihrer Empfindung nach ist dies eine „Lüge“ und sie bittet mich deswegen um Korrektur. Deswegen jetzt dieser Beitrag von mir – ich versuche ihre Beschreibung möglichst korrekt wiederzugeben. Ihre Mail ohne Erlaubnis zu zitieren fände ich etwas unhöflich. Lena schreibt mir, dass sie gesprächsbereit war, mit vielen gesprochen hat und selbst verwundert war, nicht von Kritikerinnen und Kritikern angesprochen worden zu sein. Sie erinnert sich an einen einzelnen Vorfall, wo sie darauf verwiesen hat, dass sie jetzt zu ihrem kranken Hund an ihrem Sitzplatz wolle und dort gerne bereit für weitere Diskussionen sei.  Andere Darstellungen des Geschehens empfindet sie als Unterstellung, meinen Beitrag als falsches Streuen von Informationen.

Soviel dazu. Nach dieser Mail habe ich mir erstmal einen Tee gekocht und dann die Piratin angerufen, die mir auf der LMVB von ihrem Erlebnis berichtet hatte, um die Situation nochmal zu verifizieren. Diese Frau ist eine langjährige gute Freundin von mir, mit der ich auf der LMVB viel über Leena und die Piratinnen gesprochen habe. Sie war und ist – als Frau und Pirat – ziemlich betroffen durch Vorfälle und Vorgehen bei der ganzen Piratinnen-Mailingslisten-Pressemeldungs-Sache. Ich habe sie in all den Jahren immer als grundehrlichen Menschen erlebt und keinerlei Grund an ihrer Darstellung zu Zweifeln. Sie ging zu Lena hin, bat um ein klärendes Gespräch zum Thema „Piratinnen“, woraufhin eine ablehnende Reaktion erfolgte.

Ich lasse  jetzt mal der Fairness halber beide Aussagen einfach so stehen. Mögen die, die hier zufällig vorbei irren, ihren Nutzen daraus ziehen und sich selbst ein Urteil bilden. Ich hoffe ich konnte die ganze Situation ohne Polemik oder zu große persönlicher Wertung darstellen. Sorry, falls mir das nicht ganz gelungen sein sollte – ich versuche nur ein weiteres Schlachtfeld, das bestimmt sehr leicht in nen Kindergartenkrieg ausgleiten kann, zu vermeiden.

Liebe Grüße

Shermin

 
März 9th, 2010 Allgemein | 2 Comments
 
 

Liebe Frauen auf der Welt, ich habe euch etwas mitgebracht: einen großen Strauß virtueller roter Nelken.

Heute jährt sich der, unter starker Initiative von Clara Zetkin ins Leben gerufene, Tag „für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden“ in seiner Gründung zum 100. Mal. Aber Tante Wiki kann das historisch bestimmt besser erklären als ich. Das Goethe Institut veranstaltet anlässlich dieses Jubiläums heute eine Konferenz in Kopenhagen und lädt zu einer Retrospektive ein.

Weltfrauentag? Wozu?

Als Kind konnte ich mit dem Frauentag eher wenig anfangen. Was soll ich feiern? Mich selbst? Meine Gebärmutter? Mein Blut? Das undefinierbare „Weiblichsein“? Auch das Wortungetüm „Frauenrechte“ entzog sich mir früher. Ich war sicher eingebettet in meiner Familie, fühlte mich nie diskriminiert, durfte immer das tun was ich wollte – oder empfand es zumindest so.  Ich wusste nichts von Misshandlung, Beschneidung, Gewalt, Mutlosigkeit, Ungleichheit, gesellschaftlicher Gefangenschaft, zweierlei Maß.

Unvorstellbar war es für mich, dass Frauen jemals nicht frei wählen durften, dass sie unter einer Oberherrschaft standen, ihrem gesetzlichen Vormund Rechenschaft ablegen mussten, nicht arbeiten durften, dass sie einfach nicht zählten, allenfalls einen Wert als Gebärmaschine oder hinter Glas gesetzte, mit Wohlwollen betrachtete, überzüchtete Blume hatten, und doch so viel leisteten.

Heute – und auch nachdem ich eine kampffeministische Phase in meiner Pubertät hinter mir habe 😉 – sehe ich etwas klarer und die brüchige Verbindung zu diesem Tag ist etwas fester. Feiern…? Nunja. Eher Erinnerung. Mahnung. Wachrütteln. Erweisen von Respekt und Achtung. Erhalten ebendieser. Öffnen von Augen. Den brennenden Blick zielgerichtet auf die Fehler und Ungerechtigkeiten dieser Welt lenken. Absichtlich den Finger in die Wunde legen, sehnden Auges und streitbar noch etwas Salz hineinreiben, damit kein trügerischer Frieden darüber wuchern kann.

Vergessen sollte man dabei allerdings auch nicht, dass vieles von dem, was mir heute an veralteten Ansichten, über das, was Frauen tun oder wie sie sein sollten, entgegenschallt, tatsächlich von anderen Frauen entgegengebracht wird. Und ich habe dabei gelernt: auch kultureller Fortschritt kann sich zum Zwang auswachsen und die persönliche Entfaltung beschneiden.

Ich bin dankbar, dass es vor mir Frauen gab, die für unsere Rechte gestritten haben. Ich will euch sagen, dass ich euch sehe. Ebenso wie diejenigen, die auch heute noch – auf den unterschiedlichsten Schauplätzen – kämpfen. Ich bin dankbar, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. Ich bin dankbar für die Möglichkeiten, die mir als Mädchen hier geboten wurden. Und so sehr ich die Kultur meines Vaters schätze, ihn liebe und wahrscheinlich auch dort die Chance bekommen hätte zu studieren – ich bin verdammt dankbar, dass ich nicht im Irak meinen bisherigen Lebensweg zu gehen hatte. Danke, dass ich es als selbstverständlich ansehen darf frei zu wählen und zu tun was ich will.

Eine Frau

 
März 8th, 2010 Alltag, Menschen | 1 Comment
 
 

Vorsicht! Es folgt mal wieder Piraten-Content. 🙂 Letztes Wochenende war ja die LMVB. Wem das nichts sagt, hier die Aufschlüsselung: die Landesmitgliederversammlung der Piratenpartei Deutschland Berlin, die am 27. und 28.02.2010 im Meistersaal am Potsdamer Platz statt fand. Ehrlichgesagt habe ich in meinem bisherigen Leben zwar schon öfters politische Diskussionen geführt (das bleibt mit dem Nebenfach  Sozialwissenschaft/Politik/Soziologie im Studium ja nicht so ganz aus..), mich ansatzweise für die Politik und die Zukunft unseres Landes interessiert, aber nie gedacht, dass ich mal wirklich freiwillig Mitglied einer Partei sein würde.  Ein wenig ist es so, als wenn man vorher zu Sprachlosigkeit verdammt war und plötzlich das Heft eines äußerst scharfen Schwerts in die Hand gedrückt bekommt. Wen es interessiert, für den ist hier das Protokoll der Sitzung.

Copyright Cbmd

Am Samstag konnte ich leider nicht teilnehmen (dafür war mein Liebster dort und hat über Tag 1 und Tag 2 geblogt), am Sonntag glänzte ich dann aber mit meiner edlen Anwesenheit. Mein Tag begann irgendwann gegen 6.30 Uhr mit Magenkrämpfen und der  Innensansicht der Porzellanschüssel. Knapp haben wir es dann noch zur Akkreditierung geschafft, so dass ich sehr fasziniert an diesem Stück Basisdemokratie teilnehmen konnte. Geheime Abstimmungen, Liquid Feedback, formelle Gegenrede, offene Abstimmungen, leckere Brote der AG Schnittchen und jede Menge interessante Leute sind mir begegnet. Und eines habe ich gelernt: demokratische Prozesse benötigen jede Menge Aufmerksamkeit und Zeit. Ich habe ja sowas zum ersten Mal mitgemacht, war aber wirklich positiv überrascht über die Organisation, Professionalität und vor allem Andersartigkeit. (Mein Strickzeug habe ich mir aber dennoch verkniffen mitzunehmen. Das wäre für anwesende Pressevertreter wahrscheinlich ne zu große Reminiszens an die Grünen gewesen. *grinst*) Zwischendrin gings mir nicht ganz so gut und ich habe es noch geschafft mein Beinkleid mit heißem Magentee zu begießen. Das folgende Bild, auf dem mich Cbmd, der Haus- und Hoffotograf der Piraten, abgeschossen hat, und wo ich aussehe wie etwas das halb vorverdaut und wieder ausgespuckt wurde, ist dem geschuldet. Nein, ich bin nicht die nette Dame links außen, sondern die etwas matschig vor sich hin schielende Person in der Mitte. Nehmt es dennoch als Beweisfoto für meine Teilnahme an diesem historischen Tag.

Copyright Cbmd

Die Gründung der Piratinnen

Noch etwas ist untrennbar mit diesem Parteitag verbunden: die Gründung einer Mailingliste nur für Piratinnen. Für Außenstehende: Piratinnen gab es bisher nicht. Zwar gibt es natürlich bei den Piraten auch Frauen (bin ja bestes Beispiel), da man aber von  einer absoluten Gleichberechtigung ausgeht, war es bisher Konsens, dass man dafür kein eigenes Wort nutzt. Sondern allenfalls (die leicht nervige) Langversion „weibliche Piraten“.

Pünktlich zur LMVB – und natürlich dadurch auch sehr pressewirksam – hat Lena Simon nun die Piratinnen, eine Gruppierung innerhalb der Piratenpartei, mit einer eigenen Wikiseite und einer Mailingliste, ins Leben gerufen, um einen Schutzraum für in den Hintergrund gedrängte Frauen in der Partei zu schaffen.  Und als Zugabe hat sie gleich noch unauthorisiert und eigenmächtig eine Pressemitteilung dazu raus gegeben, die einen gewissen Schatten auf das vergangene Wochenende warf.

Mal ehrlich – ich gehöre zu den Frauen, die sehr gerne Piratinnen sagen/schreiben/denken würden. Ich finde es ist ein Recht, das Frauen lange verwehrt war und das gerechtfertigt ist, genutzt zu werden. Ich verstehe allerdings auch die Argumentation der Partei, ich gehe mit ihr zum Wohl der anderen konform. Mir sträuben sich allerdings bei all zu dogmatischer Bezeichnungswut die Nackenhaare und ich mag einfach selbst wählen dürfen welches Wort ich nun nutze. Ein Ausdruck ebendieser Freiheit ist ja auch meine Mitgliedschaft in der Piratenpartei.

Genderdiskussion: Pirat? Piratinnen? Pirataußen? Piratunten?

Jetzt kommt aber mein großes „aber“. Aber: der Zweck heiligt nicht die Mittel, nein, tut er einfach nicht. Denn der erstellte Schutzraum treibt erste seltsame Blüten, wie diese Piratin inzwischen feststellen durfte. Ich empfand es auch mehr als nur ein bisschen strange, dass die Initiatorin zwar auf der LMVB auftauchte, da scheinbar hübsch in die Kameras lächelte und wohl Interviews gab, aber Gespräche mit anderen Piraten und explizit auch mit verwirrten Piratinnen, für die sie ja medienwirksam streitet, offen ablehnte. Das am Wochenende auf der Mailingliste auch schon das Misstrauen so hoch kochte, dass man eine Liste in der Liste gründen wollte, wo nur echte, durch Frauen zertifizierte Frauen, reinkämen – quasi ein geheimer Super-Geheimclub – ist nicht mehr nur obskur, sondern einfach nur noch gaga zu nennen. Und mir fehlt es langsam einfach am Verständnis für diese Aktion. Also Piratinnen – gerne, ja doch. Aber muss das so sein? Indem ich meiner Partei schade und sämtliche Leute egozentrisch vor den Kopf stoße?

Das Thema brodelt vor sich hin, andere Landesverbände distanzieren sich schon irritiert und es hat einfach einen unguten Beigeschmack. Die Gefahr, dass feministische Frauenverbände – die meiner Meinung nach eine hohe Daseinsberechtigung besitzen – diese Aktion und die Empörung darauf in den falschen Hals bekommen und uns als frauenfeindlich hinstellen, ist einfach groß. Wir wissen alle, wie schnell so eine Hexenjagd iniziiert ist.

Ich fühle mich als Wesen mit Eierstöcken in der Piratenpartei wohl. Wenn ich nicht nach vorne zum Rednerpult dränge, dann nicht deswegen, weil mich ein böser, böser selbstherrlicher Mann mit seinem Testosteron zur Seite drängt und ich mich nicht geschützt fühle, sondern weil ich a) gerade nichts wirklich geistreiches zu sagen habe b) ich vielleicht zu unsicher bin und/oder c) Panik vor den ganzen Leuten habe. Und ich bin mir verdammt sicher, dass es einem Großteil der Schwanzträger da draußen garantiert genauso geht und das nichts gebärmutterspezifisches ist oder mit meinem weiblichen Hormonspiegel zu tun hat.

Und hey – vielleicht ist es einigen ja nicht aufgefallen, aber obwohl wir so wenige sind, sind drei Frauen gerade letztes Wochenende in den berliner Vorstand gewählt worden. Sonderlich unterdrückt wirkten die jetzt nicht. Vielleicht wäre ein geschlechtsunabhängiger Schutzraum für Menschen, die sich zurückgesetzt und ungehört fühlen, die richtige Antwort auf die derzeitige Problematik.

Ein Gutes hat die niedrige Frauenquote der Piratenpartei: endlich mal kein Gedränge auf dem Frauenklo. 😉

 
März 5th, 2010 Berlin speziell, Politisch | 13 Comments